Berufe im Mittelalter

Färber

Geschichte
Im Mittelalter war das Färben von Wolle und Tüchern nicht nur ein Beruf, man färbte auch zuhause - die sogenannte Hausfärberei. Hier kamen dann hauptsächlich die Färberpflanzen zum Einsatz, wohingegen dem professionellen Färber auch teurere Materialen zur Verfügung standen, wie die Indigopflanze. Dieser Beruf war relativ anstrengend und wurde daher traditionell von Männern ausgeübt.

Das Mittelalter war für die Aussage "Kleider machen Leute" namensgebend und das konnte man schon allein an der Farbe erkennen. Die einfachen Bauern konnten sich gutes oder gar gefärbtes Tuch kaum leisten und trugen daher meist neutrale ungefärbte Kleidung. Die oberen Schichten stellten ihren Reichtum mit leuchtenden Farben und teuren Stoffen zur Schau.

 

Unsere Färberpflanzen

Einheimisch oder seit Jahrhunderten verwildert
Mit vielen angebauten oder wild wachsenden Pflanzen konnte man damals wie heute Kleidung mit natürlichen Farbstoffen färben.

Gelb - Ampfer, Bärenklau, Berberitze (Wurzel), Birkenblätter und -rinde, Echte Goldrute, Färberkamille, Färberwau, Frauenmantel, Johanniskraut, Kamille, Rosskastanie (Schale), Ligusterblätter, Schachtelhalm, Schafgarbe, Wegerich, Weidenrinde, Wilde Möhre
Orange - Apfelrinde, Johanniskraut, Kamille, Maiglöckchen, Rainfarn

Rot - Blutwurz, Echtes Labkraut (Wurzel), 

Braun - Ampfer, Apfel, Birke, Brombeere, Eichen- und Erlenrinde, Flechten, Färberginster, Heidekraut, Wacholderbeeren, Walnussblätter

Grün - Birke, Goldrute, Rhabarber, Spinat, Weide

Blau - Färberwaid

Schwarz - Eichen, Wasserdost

 

Farbstoffe

Die Farbstoffe in den Pflanzen sind die sogenannten Flavonoide (weiß und gelb) und Anthocyane (in blau, violett und dunkelrot), die die Pflanzen vor Einflüssen wie UV-Licht schützen.

Diese wirken gleichzeitig auch auf unseren Körper entzündungshemmend, schützen unsere Gefäße und verbessern die Sehkraft - hauptsächlich in Früchten, wie im schwarzen Holunder, Wald-Heidelbeere, schwarzen Johannisbeeren, aber auch in Äpfeln, Birnen und in Roter Bete.

Manche Flavonoide wirken harntreibend, manche entzündungshemmend. Beide Stoffe sind wertvolle Antioxidantien, die die Pflanzen vor Umwelteinflüssen schützen, was sich auch auf unseren Organismus positiv auswirkt.

  

Marburg
In Marburg war die Tuchherstellung ein sehr wichtiges Handelsgut - das "Marburger Tuch". Bereits im 13. Jahrhundert begann der Aufschwung, bis es im Spätmittelalter seine Blütezeit durchlebte. Diese Branche erforderte auch andere Einzelberufe wie Färber, Walker und Tuchscherer.
Es ist außerdem nachgewiesen, dass der Handel mit dem blau färbenden Färberwaid in Marburg rege betrieben wurde, der hauptsächlich in Thüringen angebaut wurde. Allein 19 blau färbende Webermeister sind im 14. Jahrhundert schriftlich überliefert.

 

Gegenwart

Heute sind die natürlichen Pflanzenfarben weitestgehend von synthetischen Farbstoffen abgelöst worden. Durch eine bewusstere, gesündere Denkweise in den letzten Jahren, wird der Anbau von Färberwaid jedoch wieder mehr. Er gilt außerdem als gutes Holzschutz- und imprägniermittel In Schottland - auf den Hybriden soll Wolle noch heute mit echtem Labkraut gefärbt werden.

 

 

Färberwau - Reseda luteola
Färberwau - Reseda luteola

DIY - Färben mit dem Färberwau

Natürlich musste ich mir mal genauer anschauen, wie gut man mit unseren heimischen Färberpflanzen färben kann. Als sich dann zufällig in meinem Garten einige Reseda (Färberwau) ansiedelten, passte das perfekt.
Am besten nimmt man hierfür tierische Fasern, die nehmen dank der Eiweißmoleküle die Farben besser an. Ich habe Merino-Wolle verwendet. Bei einigen Färberpflanzen empfiehlt es sich, diese vorher mit Alaun zu beizen, ansonsten bleichen die Farben zu schnell aus. Alaun bekommt ihr manchmal sogar in der Apotheke.
Dann braucht ihr noch einen alten Topf, Handschuhe und natürlich die Trockenmasse der Pflanze (Ich habe sie vorher 4 Stunden im Dörrautomaten antrocknen lassen, man kann diese aber auch fertig bestellen). Bei den Mengenangaben muss man ein bisschen rumprobieren und es kommt darauf an, wieviel Trockenmasse sich ergibt. Bei mir waren es nur 11 Gramm. Im Vergleich zu anderen Rezepten im Internet habe ich mir dann 7 Gramm Wolle und 1 Gramm Alaun ausgerechnet.
Die Wolle wird erst gewaschen und dann in mit Wasser gemischtem Alaun aufgekocht und eine Stunde köcheln gelassen.
Die Trockenmasse des Färberwaus wird in ein altes Geschirrtuch gewickelt und auch für eine Stunde in köchelndes Wasser gehängt.
Dann lässt man beides ein wenig abkühlen und kocht dann die gebeizte Wolle nochmal in der deutlich gelb gewordenen Färbeflüssigkeit ca. 1 Stunde. Das Ergebnis sieht ihr unten. :)



Ihr seid neugierig geworden, welche Berufe im Mittelalter noch sehr populär waren und heute fast vergessen sind?

Erfahrt bald mehr über die Tuchmacher, Wollweber, Gerber, Steinmetze und Schmiede...

"Marburger Geschichte", E. Dettmering, R. Grenz, Marburg, 1980

"Leben im Mittelalter - Der Alltag von Rittern, Mönchen, Bauern und Kaufleuten", A. Großbongardt/J. Salzwedel, 2021, München


Kommentare: 9
  • #9

    Anja Michel (Sonntag, 04 August 2024 21:55)

    Findet der mittelaltermarkt am 7./8.9. in Marburg dieses Jahr statt?
    Ich habe im Internet widersprüchliche Informationen gefunden.
    Viele Grüße, Anja

  • #8

    Anise (Freitag, 23 Februar 2024 21:52)

    Wow, breathtaking vibes and Spots Full of Energy.
    Keep up with the good work..
    See you soon


  • #7

    Victoria lavinn (Mittwoch, 06 Dezember 2023 18:07)

    This page is just wonderful! So much worth,time and love put together. The products, Juwelier,the recipe’s, all together combined in such beautiful place. Marburg ❤️

  • #6

    Andreas Matusch, Marbach (Montag, 26 Dezember 2022 18:34)

    Glückwunsch zu dieser Sammlung dramatisch schöner Fotos unserer Dramatisch schönen Märchenlandschaft direkt vor der Haustüre in Preisverdächtiger Webseitengestaltung. Diese Natur- und Kulturschätze, die Fülle des Lebens darin gilt es zu erhalten und zu verteidigen. Dafür kämpfen viele andere seit Jahrzehnten, ich seit nunmehr 13 Jahren mit zunehmend professioneller Bauverhinderung. Ihre Bilder zeigen - es Lohnt sich, es war richtig so.

  • #5

    VIBE (Montag, 28 November 2022 11:39)

    die Bestellung hat super schnell und reibungslos geklappt !

  • #4

    Sina (Dienstag, 08 November 2022 14:38)

    Wow!!!
    Das ist so eine tolle Homepage und lässt Marburg in ganz neuen Farben erstrahlen!
    Ich freue mich schon auf den Schmuck! :-)
    Viele liebe Grüße

  • #3

    Inari (Donnerstag, 08 September 2022 15:42)

    danke für die kurzweil, dabei länger Geblieben als gedacht. !
    Jetzt auch wieder auf dem weg.

  • #2

    Heimdall (Mittwoch, 27 April 2022 21:28)

    danke für den magischen Austausch.

  • #1

    Hekate (Mittwoch, 27 April 2022 12:39)

    Auf der durchreise Rast bei dir gemacht.