Kerzen waren ein seltenes Gut und meist der Kirche und den Klöstern vorbehalten. Noch heute erfreuen sie sich bei uns an Beliebtheit, auch wenn diese nicht mehr hauptsächlich dem Zweck des Lichtspendens dienen.
Im Bereich der Marburger Ketzerbach siedelten sich damals dank der Elisabethkirche als Pilgerstätte, viele Kerzenmacher an.
Seit über 2000 Jahren spenden uns Kerzen Licht, Hoffnung, Gemütlichkeit und so vieles mehr.
Für die Menschen im Mittelalter gab es den Begriff Kerze noch gar nicht. Es war schlichtweg "das Licht". Doch die Kerzen wie wir sie heute kennen, waren teuer und aufwändig herzustellen und daher konnte sich vorerst nur die katholische Kirche Kerzen leisten. Später auch die Königshäuser. Das gemeine Volk musste sich jedoch mit Ölfackeln und Öllampen behelfen. Anfangs gab es kein direktes Handwerk oder gar einen Beruf zur Kerzenherstellung, es war die Arbeit der Bauern während der Wintermonate. Später wurden sogenannte "Lichtzieher" in Frankreich bekannt und im 15. Jh. gab es in Deutschland die erste Hamburger Zunft der "Kerzengießer".
Die ersten Kerzen waren nicht aus Wachs. Oft wurde Talg aus tierischen Fetten verwendet, was Gestank und starke Rauchentwicklung mit sich zog. Auch Kienspäne (harzige Holzklötzchen) oder die Stängel der Flatter-Binse wurden im Mittelalter ersatzweise genutzt. Es folgte das Bienenwachs, später auch dieses in gebleichter Form.
Früher hatten die Kerzen die Hauptaufgabe, Licht zu spenden. Doch seit jeher verband man mit brennenden Kerzen auch Gemütlichkeit, zündete Kerzen an, wenn es etwas zu feiern gab oder zu betrauern. In stillem Gedenken an eine verlorene Person, kann der Kerzenschein tröstlich sein. An Geburtstagen findet man in der Regel seit der Kindheit auf der Torte Kerzen zum Ausblasen und zur Wunscherfüllung. Eine romantische und gemütliche Atmosphäre erzeugen Kerzen beim Abendessen. Sie sind Bestandteil vieler Traditionen, Gebräuche und Rituale geworden. Auch in viele Religionen ist sie ein wichtiges Gut.
In der katholischen Kirche haben Kerzen noch eine sehr große Bedeutung. Dazu zählt z.B. die Taufkerze, die Osterkerze und das ewige Licht.
Kerzen stehen für die gezähmte Form des Feuers, ihre Flamme ist das Sinnbild des Lebens. Ihr Licht steht für Kraft und Energie, für Schutz, für den Gegensatz von Tageslicht und Finsternis, für das Überirdische und das Himmlische.
In der Magie sind Kerzen auch seit jeher ein fester Bestandteil von Ritualen. Dazu werden besonders farbige Kerzen verwendet.
Anfangs durfte für die Kerzen in den Kirchen nur Bienenwachs bei der Herstellung benutzt werden, da es besser roch, kaum Rauch entwickelte und zusätzlich den Laib Christi symbolisieren sollte. Im Mittelalter machte es daher das Bienenwachs zu einer beliebten Handelsware. Außerdem wurde es neben der medizinischen Verwendung für Salben auch für allerlei handwerkliche Tätigkeiten wie das Imprägnieren, Verschließen und Schmieren wertvoll.
Bienen stellen dieses Wachs zur Lagerung von Honig und als Brutstätte her. Dies erfolgt auf Grundlage des Prinzips des "magischen Sechsecks", da es für optimale Stabilität und Platzverteilung sorgt. Ein anderes Wunder der Natur, was ebenfalls immer aus Sechsecken besteht, ist die Schneeflocke.
Bienenwachskerzen sorgen zudem für eine bessere Raumluft, da sie negative Ionen freilassen, die u.a. Gerüche und Bakterien aufnehmen.
Aufgrund ihrer Dichte brennen sie länger und sorgen für ein helleres Licht. Sie sind außerdem ökologischer, da sie eine sinnvolle Verarbeitung des "Abfallprodukts" der Imker darstellen.
Die Gestaltung und das Herstellen von Kerzen setzt unserer Fantasie kaum Grenzen. Besonders in der Weihnachtszeit, wo die Gemütlichkeit ganz groß geschrieben wird, sind sie ein fester Teil der Dekoration.
Im Sommer werten getrocknete Blumen & Kräuter Kerzen auf. Man kann sie in Formen gießen, verschiedene Farben entstehen lassen oder auch dort getrocknete Blüten einrühren. Um Bienenwachskerzen herzustellen, gibt es auch schöne DIY-Sets zu erstehen. Als Kinder haben wir Kerzen gerne mit ausgeschnittenen Wachsformen beklebt.
Aus wenigen Zutaten lassen sich schnell und einfach schöne Kerzenarrangements herstellen.
Dazu braucht ihr:
So funktioniert's:
Das Wachs im Wasserbad verflüssigen. Die mit Trennspray (jeweilige Anleitung beachten) eingesprühten Formen auf Backpapier legen. Die Dochte etwa 1cm länger als die Formen zurechtschneiden, am unteren Ende mit einem Stehplättchen versehen und in der Mitte der Form platzieren. Um das Plättchen zu stabilisieren und zu verhindern, dass viel Wachs unter dem Förmchen herausfließt, wird erstmal nur ein wenig flüssiges Wachs angegossen. Kurz warten, bis es einigermaßen fest ist, dann das restliche Förmchen füllen. Sobald das Wachs ausgehärtet ist, könnt ihr die Kerze vorsichtig aus der Form lösen.
Buchquellen:
Blandine, Eva: Kerzenlicht, 1966
Daniel Armbrüster (Autor:in) Annette Ganter (Autor:in), 2013, Die Lichtsymbolik der Kerze. Eine ethnologische Untersuchung zum breiten Konsens von Symbolhandlungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316804