◆ Historische Brunnen & Quellen in und um Marburg
◆ Die Lahn auf ihrem Weg durch den Landkreis
◆ Bedeutung des Elements Wasser in der Heilkunde & Mythologie
Das Element Wasser ist in Marburg, an der wunderschön geschwungenen Lahn gelegen, allgegenwärtig. Neben ihr gibt es noch eine große Zahl Quellen und Brunnen von Bedeutung. Die Quellen liegen oft versteckt und verwunschen in der Landschaft.
Im 13. Jahrhundert erlangte die Marbacher Quelle, die dem unteren Buntsandstein entspringt, die ehrenvolle Aufgabe ganz Marburg mit Wasser zu versorgen. Eine am Berg liegende Stadt wie Marburg im Mittelalter ans Wasser anzuschließen, war keine leichte Aufgabe, und über die Jahrhunderte wurde die Stadt immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Besonders was die Haltbarkeit der Rohre anging, wie auch das starke Bevölkerungswachstum und natürlich auch die eigenen Ansprüche der Marbach.
Über 650 Jahre blieb sie die wichtigste Leitung in die Stadt, bis man nach mineralogischen Untersuchungen entschied statt ihr eine Quelle aus Wehrda anzuschließen.
Noch heute weist der Name "Brunnenstraße" in der Marbach und ein versteckter Brunnenschacht auf ihre alte Geschichte hin. Die ursprüngliche Quelle plätschert nach wie vor fröhlich aus ihrem Quellgebiet samt einiger anderer Quellen.
Mitten im Wald gelegen, am Gebrannten Berg oberhalb des Behring-Mausoleums, befindet sich noch der Brunnenschacht der Quelle, die damals über die Brunnenröhren das
Schloss mit Wasser versorgt hat. Nur noch ein Holzwegweiser mit der Aufschrift "Historischer Brunnen" unweit von ihr, weist auf ihre Existenz hin.
Die Leitung verlief von der Elsenhöhe über die heutige Straße "An den Brunnenröhren", die daher diesen Namen trägt. Nach ca. 80m Gefälle kreuzte sie den Marbacher
Weg und wurde dann wieder ca. 80m hoch in einen Behälter am Schloss gepumpt.
In den letzten Jahren hat leider der Borkenkäfer das gesamte Gebiet drumherum befallen,
sodass sämtliche Fichtenhaine abgeholzt werden mussten.
Wir sehen aber, wie sich die Natur langsam wieder neu entfaltet. Verschiedenste Gräser, Fingerhüte, Labkräuter und Acker-Disteln freuen sich über die neue lichte Fläche und der Boden rund um die
Brunnenröhrenquelle füllt sich wieder.
Bilder: Die Brunnenröhrenquelle im Marbacher Wald von blühenden, meterhohen Kratzdisteln umrahmt. Im folgenden Jahr hat sich der rote Fingerhut zu ihr gesellt und die großen
gewöhnlichen Disteln machen eine Pause. In diesem Jahr kam eine neue Pionierpflanze hinzu - der Besenginster. Ich bin immer wieder überrascht, wie sich dieser Ort durch die gerodete Fläche nun
völlig neu entfalten kann.
Später im Jahr kommen noch verschiedene Distel-Arten, Gräser, Salbei-Gamander und vieles mehr hinzu. Dann ist es ein wahres Insekten-Paradies und es wimmelt hier nur so vor Schmetterlingen und
Hummeln.
Die überlaufende Brunnenröhren-Quelle nach der Schneeschmelze.
Die Quelle im Frühling. Im Hintergrund, der durch den Borkenkäfer erzwungene, gerodete Wald
Der Holzwegweiser, der als einziger Hinweis übrig geblieben ist
Mein Großvater war damals im Marburger Verschönerungsverein tätig und besaß noch einen der Original-Schlüssel.
Auch heute noch sind einige der bereits vor 650 Jahren angelegten Brunnen erhalten und zum Teil auch zum Trinken geeignet. Fast jeder hat seine eigene alte Geschichte.
Insgesamt gibt es 70 Brunnen und Wasserspiele in Marburg, von denen 16 als offizielle Trinkbrunnen ausgezeichnet sind.
Dies geschah 2016 im Zuge der Teilnahme an der Initiative Blue-Community, ein Projekt mit sozialem und nachhaltigem Hintergrund, für alle und überall Wasser kostenfrei zur Verfügung zu stellen.
Bärenbrunnen
Schneidersberg/Ecke Barfüßerstraße 49
Trinkwasser💧
Auch dieser Brunnen existiert bereits seit dem 13. Jahrhundert und erhielt sein Wasser aus der Marbacher Quelle. Natürlich waren seit dem Mittelalter einige Renovierungsarbeiten fällig.
„Löwenkopf“
Am Plan - (unterhalb des eigentlichen Brunnens)
Trinkwasser💧
Mönchsbrunnen
Unterer Steinweg
Trinkwasser💧
Einst saß auf dem Brunnen ein Mönch - bezugnehmend auf ein altes Gasthaus mit einem Mönch als Symbol. Es entwickelte sich jedoch die Legende, dass dies der umstrittene Beichtvater Elisabeths - Konrad von Marburg - gewesen sei, der sodann von den Marburgern zerstört wurde.
Saukopfbrunnen
Auf dem Weg zum Schloß
Trinkwasser💧
St. Elisabethbrunnen "Elisabeth-Quell"
in der Bahnhofstraße
Bevor das Brunnenhäuschen darum existierte und auch noch bevor die Marbacher Quelle für die Versorgung der Stadt zuständig wurde, soll diese Quelle den Bürgern zur Verfügung
gestanden haben. Später soll sie der heiligen Elisabeth und dem Deutschorden eine wichtige Wasserversorgung gewesen sein.
Inschrift: "Aus diesem ältesten Brunnen der Stadt schöpfte einst Erquickung die edelste Frau Marburgs..."
Elisabethbrunnen
bei Schröck
Der Sage nach, soll die Heilige Elisabeth oft dorthin spaziert sein.
Im Mittelalter existierte dort zugleich eine Wallfahrtkapelle, von der noch Ruinen zu sehen sind.
Vermutlich ist die Quelle jedoch um viele Jahrhunderte älter. Um die Brunnenanlage herum fand man einige Grabstätten aus der Vorzeit.
Gleichzeitig mit der Bedeutung als Pilgerstätte war dieser Ort ein Grenzpunkt zwischen dem hessischen Fürstentum und des Bistums Mainz.
Er wurde 1596 im Renaissance-Stil neu gefasst und von seinem ursprünglich 60m südlich liegenden Ursprung an den Hang verlagert.
Dreyersquelle
im Stadtwald
Die Dreyers Quelle liegt im Marburger Stadtwald unterhalb der ehemaligen Tannenbergkaserne.
Einst hatte es hier eine Siedlung gegeben, die aus nicht geklärten Gründen wieder aufgegeben wurde.
Violas Ruh'
auf den Lahnbergen
Die Quelle der Violas Ruh' liegt am Rande eines breiten Spazierweges an den Westhängen der Lahnberge. die Anlage soll in Gedenken an die Frau eines Jägers angelegt worden sein, und spendet den
Wanderern auf dem Weg zum Spiegelslustturm eine Erfrischung zwischendurch.
Heiliger Grund -
Quelle "Zur letzten Andacht"
Ockershausen/Stadtwald
Die mitten im Heiligen Grund liegende Quelle lag im Mittelalter auf dem sogenannten "Totenweg". Dieser führte von Ockershausen bis zur Kirche in Oberweimar, da es bis 1570 noch kein Stadtteil von Marburg war.
Seit Jahrtausenden sprudelt die Quelle der Lahn aus dem Quelltopf im Rothaargebirge. Sie könnte bestimmt viel erzählen. Zahlreiche Naturschutzgebiete säumen ihre
Ufer.
Charakteristisch für ihren Lauf in unserem Landkreis ist ihre 90°-Grad Wendung, die sie kurz darauf durch Marburg führt.
Die Lahn startet gleich zu Beginn mit einer mystischen Sage über einen Riesen, der an dem Quelltopf lebte.
Zahlreiche Funde belegen, dass die Lahn bereits in der Steinzeit besiedelt war. Bis ins Mittelalter war die Lahn durchgängig befahrbar, da es noch keine Wehre gab. Im 11. Jahrhundert entstanden die ersten Mühlwehre.
Zum Schutz und natürlich um immer frisches Wasser haben, wurden Burgen und Städte immer in der Nähe von Flüssen oder Seen errichtet und vorzugsweise auf Anhöhen bzw. Hügeln, so auch Marburg.
Wenn auch die Körperhygiene im Mittelalter nicht so hoch angesehen war, war es doch besonders wichtig, frisches Trinkwasser, Wasser zum kochen und zum Waschen zu haben.
Da die Lahn gerade für die Bewohner der Oberstadt zu weit weg lag, um es immer von dort zu beziehen, gab es zahlreiche Brunnen, die vom Grundwasser gespeist wurden, z. B. der Schlossbrunnen.
Wer Brunnen verschmutze, wurde bestraft. Für einen möglichen Belagerungszustand, sollte es auch Wasser innerhalb der Stadtmauern geben.
Bevor die Lahn den Landkreis Marburg-Biedenkopf erreicht, hat sie erst wenige Kilometer auf dem Buckel und ist somit noch recht jungfräulich. Sie entspringt im Rothaargebirge bei Netphen inmitten eines Landschaftsschutzgebietes und mündet nach etwa 245 km bei Lahnstein in den Rhein.
Auf ihrem Weg durch den Landkreis durchfließt sie neben den größeren Städten wie Biedenkopf und Marburg auch zahlreiche kleinere Dörfer und Ortsteile. Kleine Flüsschen wie die Perf, Dautphe, Wetschaft, Ohm, Allna und die Zwester Ohm, gesellen sich zu ihr, bevor sie den Landkreis wieder verlässt.
Sie durchquert viele verschiedene Gebirgszüge und vielfältige Landschaften. Neben einem der größten Naturschutzgebiete Hessens - der Lahnaue bei Gießen, schmiegen sich an der naturnahen Lahn im Marburger Landkreis einige andere Schutzgebiete an. Die komplette Strecke kann über den "Lahnradweg" erkundet werden.
Bis zur Einführung der Hauswasserversorgung nutzten Waschfrauen den Fluss, um Wäsche zu reinigen, während öffentliche Badestuben der Körperhygiene dienten. Lahnwasser galt zudem als Heilmittel gegen Hautkrankheiten wie Krätze.
Da wir Menschen selbst zu 70% aus Wasser bestehen, sind wir von Natur aus, dem Element Wasser in gewisser Weise verbunden. Neben den einfachsten Funktionen, wie den Durst zu löschen oder der Körperhygiene, benötigen wir Wasser zur Zellregeneration, Entgiftung, für den Stoffwechsel, für den Transport von Mineralstoffen und zur Regulierung der Körpertemperatur.
Besonders fließendes Wasser sollte Krankheiten wegschemmen.
Das Wasser selbst wird bereits seit der Antike seiner heilenden Wirkung wegen hochgeschätzt. Lange bevor die Ära Kneipp Wassertherapien in der heutigen Zeit populär gemacht hat, standen Heilungen durch Wasser schon im alten Rom hoch im Kurs. Kaiser Augustus wurde beispielsweise durch eine Kaltwassertherapie von seinem Leberleiden kuriert. Dies und viele weitere Erfahrungen etablierten Heilquellen, Thermalbäder und Trinkkuren fest im Römischen Reich. Eine ähnliche Entwicklung fand damals auch im antiken Griechenland statt.
Im Mittelalter wurden hauptsächlich Badeanstalten zu Heilzwecken genutzt. Denn besonders zu Zeiten der Pest, wurde Wasser zum Baden eher gemieden.
Kleiner Zeitsprung:
Durch die gute Vorarbeit der „Wasserhähne“ – Siegmund Hahn und Sohn, widmete sich Sebastian Kneipp (1821-1897) der Erforschung dieses Gebiets – erfolgreich. Er wurde zum Wegbereiter der Wasser- und Naturheilkunde. Er blieb natürlich nicht der letzte Wissenschaftler, der sich diesem Thema annahm, und so entdeckte der Salzburger Forscher Dr. Arnulf Hartl die heilenden Kräfte von Wasserfällen. Die elektrisch geladenen Wasserteilchen dringen durch den Aufprall durch die Atemwege tief in den menschlichen Körper ein. Somit entstehen heilende Wirkungen bei Asthma, Verbesserung der Lungenfunktion, der Immunabwehr und Stressabbau.
„Lernt das Wasser richtig kennen, und es wird euch stets ein verlässlicher Freund sein.“
- Sebastian Kneipp -
Der Sohn eines einfachen Webers aus dem Allgäu erkrankte selbst an Tuberkulose und suchte nach Hilfe - nach eingehender Recherche wurde er durch Tauchbäder wieder gesund. Durch seine persönlichen Erfahrungen entwickelte er ein
5-Säulen-Modell:
All dies sollte den Arztbesuch nicht ersetzen, lediglich ergänzen! Heute gibt es über 100 Kneipp- Anwendungen und das „Kneippen als traditionelles Wissen und Praxis nach der Lehre Sebastian Kneipps“ zählt mittlerweile als immaterielles Kulturerbe der UNESCO.
Im Marburger Land gibt es heute zahlreiche solcher Tretbecken zu finden - teils mitten im Wald. Z. B. in Biedenkopf im Martinsbachtal oder bei Katzenbach und einige bei Bad Endbach.
Bei den alten Griechen, die nah am Wasser lebten, drehte sich alles um ihren Meeresgott Poseidon, der für jegliche Naturkatastrophen verantwortlich war.
In der Kultur der Slawen wurden neben den Gottheiten, die in Anbetracht der wilden und unentdeckten Natur, reißenden Flüsse, tiefen Seen über die Elemente wie eben auch das Wasser wachten, auch an übernatürliche Wesen wie Wassergeister, Nixen und Kobolde geglaubt. Die, wenn man ihnen zu nah kam, einen mit in die Tiefe nahm, was die magische und mystische Wirkung der Gewässer noch unterstreicht.
Die unglaublichen Kräfte des Wassers haben uns Menschen seit jeher beeindruckt, fasziniert und Respekt eingeflößt. Von der Kraft einer sprudelnden Quelle, über die reißende Geschwindigkeit eines Flusses, bis hin zu feinen, einzigartigen Schneekristallen.
Es gehen somit auch viele abergläubische Gewohnheiten und Gebräuche einher. Wenn man die Kinder gebadet hat, musste man das Wasser langsam ausschütten, sonst fallen sie gern; und um sich vor Behexung zu schützen sollte man keine Milch aus dem Hause geben, ohne einen Tropfen Wasser damit zu vermischen.
Buchquellen:
"Wasser für Marburg - Zur Geschichte der Wasserversorgung von Stadt und Schloß - Band 1 "Die Stadt", Elmar Brohl und Christopher Ernestus, Marburg 2019
"Alt-Marburger Geschichten und Gestalten", Hermann Bauer;
www.marburg.de
"Mythen & Sagen aus allen Kulturkreisen", Dorling Kindersley Verlag GmbH, München, 2009, 2020