Um die Beziehungen zwischen Mensch und Baum
ranken sich jahrtausendalte und mystische Geschichten.
Abgesehen vom vielseitigen Nutzen der Bäume glaubten viele Kulturen, dass Bäume beseelte Wesen sind und voller Weisheit stecken. Besonders in der altnordischen Mythologie, aber auch bei Kelten, Slawen, Germanen und Römern. Manche besagten auch, dass wir Menschen von Bäumen abstammen. Dadurch entstanden unter anderem auch Redewendungen wie "aus gutem Holz geschnitzt", "stark wie ein Baum" oder auch "verwurzelt sein" oder der gute alte Stammbaum.
Auch der Brauch zur Geburt eines Kindes einen Baum zu pflanzen, dessen Heranwachsen die Zukunft des Kindes andeuten solle, stammte noch aus dem alten Rom und Athen. Natürlich waren all solche Bräuche über die Jahrhunderte umstritten und teils als Gotteslästerung eingestuft. Aber noch bis weit über das Mittelalter hinaus hatte fast jeder Baum oder Strauch eine tiefere Bedeutung.
Da gibt es die Kraftspender, die Tröster, die Linde für die Liebe, die Kiefer für Geduld. Andere stehen für Licht oder Schutz.
Auch heute noch fühlt man sich bei einem Waldspaziergang bei bestimmten Bäumen besonders wohl - für mich ist es die Kiefer, von der ich mich magisch angezogen fühle. Welcher Baum ist es bei Euch?
"Nichts ist für mich mehr Abbild der Welt und des Lebens als der Baum."
-Christian Morgenstern-
TIPP
Wenn ihr euch mehr für die heimischen Baumarten interessiert, gibt es mittlerweile einige Baumpfade in der Gegend. Auf den Lahnbergen in der Nähe des
Frauenbergs wurde zum Beispiel seit 1989 jeder Baum des Jahres gepflanzt. Ausführliche Schilder lassen uns die Baumart kennenlernen.
Rund um den Erlensee bei Kirchhain existiert auch ein "Baum-des-Jahres-Pfad". Infoschilder und bestenfalls der Baum selbst sind dort zu sehen.
Unübersehbar färbt sich ein Baum nach dem anderen in sagenhafte Farben.
Jeden Tag wird es ein bisschen bunter, bis nach und nach die Blätter zu Boden flattern.
Die einen recht schnell, die anderen bleiben zu unserer Freude ein wenig länger am Baum. Vogelkirschen leuchten in einer Mischung aus korallroten und gelben Blättern und setzen tolle Akzente zwischen den noch grünen Wiesen.
Der Ahorn hat von gelb über orange bis rot alles dabei. Auch die Roteichen bescheren uns tolle kräftige rot-orangene Blätterdächer.
"Baumbabys"
- Große Riesen ganz klein -
Im April ist die Zeit, wo wir unter Bäumen und am Waldboden die kleinen Keimlinge unserer großen Baumriesen finden können. Fast unvorstellbar, dass auch sie natürlich mal "klein" anfingen.
Forscher sagen, nur wenige Stunden pro Woche im Wald zu verbringen, genüge, um wieder Luft & Kraft zu tanken und die Gesundheit zu fördern. Wer nicht viel Zeit zur Verfügung hat, sollte dieser Empfehlung dennoch folgen.
Denn bereits nach einem kurzen Waldspaziergang, macht sich eine Veränderung bemerkbar.
Schon nach wenigen Metern merkt man, wie die frische und gesunde Luft, die Lungen füllt. Alle Sinne beginnen sich zu schärfen.
Auf dem Rückweg fühlt man sich wie ein neuer Mensch.
Dieses Gefühl trägt man auch noch eine Weile bei sich. Wer kann, sollte dies natürlich so oft wie möglich wiederholen.
Es ist eine Vielzahl von Dingen, die uns am Wald faszinieren. Man taucht ein in eine andere Welt aus Geräuschen, Gerüchen und Farben. Seine Beständigkeit strahlt im Gegensatz zu unserer heute sehr hektischen Welt enorme Ruhe aus.
Im Frühling und Sommer kann man sich vor Grüntönen kaum retten.
Diese Farben vitalisieren unseren Geist und ermuntern die Seele mit positiven Schwingungen.
Düfte wirken als Aromatherapie auf unser Gehirn und unsere Seele, sie erwecken und verstärken Gefühle und Erinnerungen.
Die Bäume nutzen ihre Düfte als Botschaften, um Insekten anzulocken,
Feinde abzuwehren oder auch um sich vor Sonne und Hitze zu schützen.
Dafür ist auch das Wetter vollkommen egal. Auch bei Regen hat der Wald seinen Reiz und durch die feuchte Luft
erst recht einen hohen Gehalt an gesunden Terpenen.
Nicht zu vergessen ist einerseits die Stille durch die abschirmenden Baumkronen
und den abdämpfenden Moosboden und andererseits das Konzert der Waldvögel.
Natürlich nützt uns seit jeher unser Wald auch auf andere Weise. Er ist unser wichtigster Luftreiniger und gleichzeitiger Sauerstoffproduzent. In früherer Zeit bot er uns Schutz vor Hitze und vor Kälte, lieferte Nahrung und Holz - diese Eigenschaften sind heute noch genauso bedeutend. Er fungiert als Oase und Rückzugsgebiet aus überhitzten Städten und bietet uns bei nasskaltem Wetter einen besseren Schutz vor Wind und Regen. Blätter, Blüten und Rinde können wir uns in Form von ätherischen Ölen nach Hause holen und Holz ist nach wie vor ein bedeutsamer Lieferant an Baumaterial.
Daher ist es besonders wichtig, ihn mit dem höchsten Respekt zu behandeln und ihn zu schonen und sich auch regenerieren zu lassen.
"Ich bin der Wald
Ich bin uralt
Ich hege den Hirsch
Ich hege das Reh
Ich schütz Euch vor Sturm
Ich schütz Euch vor Schnee
Ich wehre dem Frost
Ich wahre die Quelle
Ich hüte die Scholle
Bin immer zur Stelle
Ich bau Euch das Haus
Ich heiz Euch den Herd
Drum ihr Menschen
Haltet mich wert!"
-Unbekannt-
Manche Bäume oder Baumgruppen sind von überragender Schönheit, oder besonders alt oder selten, dass sie als Natur-Wahrzeichen ausgezeichnet werden. Darunter, wie abgebildet, die
Kieferngruppe bei Goßfelden, die Traubeneiche in Dagobertshausen, die große Fichte am Westblock des Marburger Schlosses oder eine 5-stämmige Rosskastanie inmitten der Oberstadt.
Der ein oder andere ist bestimmt schon einige Male daran vorbeigekommen, ohne den Blick darauf zu richten oder kennt womöglich noch einige Exemplare, die es genauso verdient hätten?
Ein als Naturschutzgebiet in Marburg ausgewiesenes Waldgebiet ist der "Teufelsgraben" zwischen Wehrda und der Marbach. Hier hat sich dank des durchfließenden Baches und des hohen Baumbestandes ein feucht-kühles Klima entwickelt, was zahlreichen seltenen Pflanzen- und Tierarten ein Zuhause bietet.
Nördlich von Marburg beginnt das größte zusammenhängende Waldgebiet Hessens - der Burgwald. Dieser wird weiter im Norden vom Nationalpark Kellerwald-Edersee abgelöst, der sich stolz als UNESCO-Weltkulturerbe bezeichnen darf.
Buchquellen:
"Das große Buch der Heilpflanzen", Pahlow, München, 1993
"Unsere fünf heiligen Bäume", Wolf-Dieter Storl, München, 2020
www.marburg.de