Als Symbol der Lebensfreude und der Leichtigkeit des Sommers sind die meisten Falter bei uns allseits beliebt und erfreuen uns durch ihren Tanz und ihre Farben während ihrer oft recht kurzen
Lebenszeit.
Seit Kindheitstagen begleiten uns Schmetterlinge. Vermutlich sind sie für jedes Kind das erste faszinierende Insekt, das durch ihr buntes, umherflatterndes Erscheinungsbild wahrgenommen wird.
Spätestens beim ersten Verliebtsein begegnen sie uns als "Schmetterlinge im Bauch" wieder.
Und wer sich wie ich glücklich schätzen kann, verliert nie so richtig das Interesse an diesen einzigartigen Geschöpfen, sondern möchte immer mehr erfahren und tiefer in die Thematik einsteigen.
Von majestätischen Familiennamen wie Ritterfaltern oder Edelfaltern, über Bezeichnungen der Tagfalter wie Waldportier, Apollo oder Admiral zu den teils lustig anmutenden Familiennamen der Nachtfalter wie Spanner, Spinner und Glucken. 😄
Im Folgenden möchte ich euch eine Auswahl unserer heimischen Schmetterlinge vorstellen, die ich in unserer Marburger Region schon getroffen habe. Ich hoffe, auch diese Sammlung noch weiter ausbauen zu können. Besonders Raupen fehlen mir noch.
Mittlerweile gibt es ca. 4000 Arten in Mitteleuropa, weltweit sogar 160.000 Arten. Es werden immer noch neue Arten entdeckt, dafür sterben aber auch manch andere aus oder sind stark gefährdet.
Geschichte & Mythologie ⁘ Körperbau ⁘ Metamorphose ⁘ Tag- & Nachtfalter ⁘
Familien & Artenporträts ⁘ Feinde & Tarnung ⁘ Schmetterlingsgarten
Spätestens aus der Zeit des Tertiär- vor ca. 50 Millionen Jahren konnten ähnliche Arten wie die der heutigen Schmetterlinge nachgewiesen werden. Doch auch weit davor muss es sie schon gegeben haben.
Seit Jahrhunderten versuchen Wissenschaftler ein System zu schaffen, die Schmetterlinge zu erfassen. Einen wichtigen Meilenstein erlangte der schwedische Naturforscher Carl von Linné in seinem Werk „Systema naturae“, welches er selbst immer wieder überarbeitete und bis heute die Basis für die Einordnung von Tier- und Pflanzengruppen bildet.
Natürlich wurden auch die Schmetterlinge über die Jahre je nach neuesten Erkenntnissen innerhalb ihrer Familien auch mal umsortiert oder umbenannt. In manchen Büchern findet man daher noch mehrere botanische Bezeichnungen. Die Namen setzen sich immer aus dem Gattungsnamen und dem Artnamen zusammen, wobei sich letzterer auf den Entdecker oder eine bestimmte Pflanze beziehen kann.
Mythologie
Auch dem Reich der Schmetterlinge haftet etwas Mystisches an. So scheint es zumindest, wenn man sich die Bezeichnung "Schmetterling" oder "Butterfly" genauer anschaut und den Überlieferung
aus Aberglauben & Co nachgeht.
So nimmt der Wortteil "Schmetten" Bezug auf den Schmand (anderes Wort dafür) - auf den es einige Arten gerne abgesehen haben. So sollen die Schmetterlinge Milch, Butter oder Molke
gestohlen haben, was gerne mit dem Werk von Hexen assoziiert wurde.
Bis Anfang des 18. Jahrhunderts war es noch gebräuchlich einfach Tag- und Nachtvögel zu den Faltern zu sagen.
Natürlich könnte man hier bis ins kleinste Detail gehen, um die kleinen flatternden Wunder genauestens zu beschreiben. Im Folgenden sollten aber die wichtigsten Aspekte genannt werden.
Wie bei allen anderen Insekten besteht der Körper (Kopf, Brust, Hinterleib) der Schmetterlinge aus einem Skelett aus Chitinplatten, die in miteinander verbundenen Ringen angeordnet sind.
Am Kopf befinden sich die Facettenaugen, die Mundwerkzeuge und ein Paar Fühler. Letztere gibt es in verschiedenen Ausführungen (fadenförmig, gekeult, gesägt, gefiedert) und können sogar zwischen Männchen und Weibchen variieren. Dabei haben die Tagfalter keulenförmige und die Nachtfalter fedrige Fühler. Sie sind hauptsächlich für den Geruchssinn zuständig.
Mit dem Rüssel können sie flüssige Nahrung in Form von Nektar aus den Blüten heraussaugen.
Die Augen sind jeweils aus sechseckigen Einzelaugen zusammengesetzt, sodass sie ihre Umgebung wie durch ein Raster wahrnehmen.
Am Brustabschnitt sind neben den Beinen, die in der Regel getrennten Vorder- und Hinterflügel befestigt. Durch einen speziellen Kupplungsmechanismus werden diese zusammengehalten. Dachziegelartige Schuppen sind in Form von kurzen Haaren auf den Flügeln angeordnet. Jede Schuppe hat dabei ihre eigene Farbe. Für den schimmernden Effekt sind nicht die Farbpigmente verantwortlich, sondern eine Lichtbrechung der speziellen Strukturen in den Schuppen. Bei vielen Faltern sind dort außerdem Duftschuppen untergebracht, die auf ihre Geschlechtspartner betörend wirken.
Eine Besonderheit des Brustabschnitts ist, dass sich bei einigen, hauptsächlich nachaktiven Faltern wie Eulen und Bärenspinnern dort Hörorgane befinden, die die Ultraschalllaute von Fledermäusen wahrnehmen können.
Im Hinterleib befinden sich die lebenswichtigen Organe und die Fortpflanzungsorgane, auch hier können Duftstoffe abgesondert werden.
Der Gestaltwandel, den auch andere Insekten wie Zweiflügler und Käfer durchlaufen, besteht aus verschiedenen Stadien (Ei, Larve/Raupe, Puppe, Imago – ausgewachsenes Insekt).
Die Eiablage des Weibchens erfolgt in der Regel an oder in der Nähe der Nahrungspflanzen. Die Eier weisen eine enorme Formenvielfalt auf und werden entweder einzeln (häufig) oder in Gruppen abgelegt. In diesem Stadium verbleiben diese ca. 1-3 Wochen.
Im Stadium der Raupe wird Nahrung aufgenommen, um das Körpervolumen zu vergrößern und einfach zu wachsen, dabei häuten sie sich mehrfach und verändern teilweise auch ihre Farbe. Dies zieht sich meistens über mehrere Monate.
Bevor ein wunderschöner Schmetterling schlüpft, erfolgt noch das Stadium der Puppe. Es ist eine Ruheperiode, in der die letzten Entwicklungsprozesse stattfinden, indem sich ein kompletter Organismus neu bildet. Dabei werden bei den Tagfaltern im Großen und Ganzen zwei Typen unterschieden – die baumelnden Stürzpuppen oder die anliegenden Gürtelpuppen. Bei den Nachtfaltern liegen die Puppen entweder frei am Boden oder sind in einem Gespinst (Kokon- aus Spinnseide) eingebunden. In diesem letzten Stadium verweilen sie ca. 2- 4 Wochen.
Nach dem Schlüpfen aus der Puppe, benötigt der Falter noch einige Stunden, bis er fliegen kann, denn seine Flügeladern müssen erst mit Körperflüssigkeit aufgepumpt werden.
Das Faszinierende an diesen Geschöpfen ist dieser enorme Entwicklungszyklus, der in der Regel nach der Paarung und Eiablage für die meisten Schmetterlinge schon bald wieder beendet ist.
TAGFALTER
Die meisten Tagfalter verbringen den größten Teil ihres Lebens als Raupe und nur wenige Wochen als Schmetterling - für die Paarungszeit.
NACHTFALTER
Die meisten Arten sind Nachtfalter - von den 4000 Arten sind es etwa 3800 und nur 200 Tagfalter. Nachtfalter kennen wir hauptsächlich in Form von hereinfliegenden "Motten", wenn man das Licht an hat und lüftet. Auch jene, mit denen manch einer seine eigenen schlechten Erfahrungen gemacht haben wie Mehlmotten, Kleidermotten & Co Gehören zu den Schmetterlingen.
Doch auch hier ist - abgesehen von den lustigen Bezeichnungen - die Artenvielfalt immens und besonders die Raupen von ihnen beeindrucken mit interessanten Formen und Farben. Die Falter kann man manchmal nur an filigranen Zeichnungen auf den Flügeln unterscheiden. Auch ihre Gesichter sind es definitiv wert, mal mit einem Makroobjektiv näher betrachtet zu werden.
Lycaenidae
Auch wenn dies der Name gleich vermuten lässt, sind nicht alle Falter dieser Familie blau. Bei den wirklich blauen Exemplaren sind es dann in der Regel nur die Männchen, die in einem schillernden Blau auftreten. In Mitteleuropa existieren ca. 45 verschiedene Arten.
Kleiner Feuerfalter
Lycaena phlaeas
engl.: small copper
Häufigkeit & Schutzstatus: weit verbreitet (§)
Größe (Flügelspannweite): 2,2-2,7 cm
Falter: orangerote Flügeloberseiten mit braunem Saum und schwarzen würfeligen Flecken, braune Hinterflügel mit orangener Binde
Raupe: grün, 1,5 cm lang, leicht rötliche Rückenlinie, asselförmig
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: offene Stellen, Sandgebiete, Wegränder
Flugzeit: April – Oktober
Raupenstadium: Januar bis Dezember
Nahrungspflanzen der Raupe: Kleiner und Großer Sauerampfer, Stumpfblättriger Ampfer
Nektarpflanzen: Gewöhnlicher Dost, Rainfarn, Thymian, Habichtskraut, Wasserdost
Verhalten: sehr lange Flugzeit mit bis zu 4 Generationen
Marburg: Am Kombacher Hirschstein bei Biedenkopf, am Wollenberg bei Sterzhausen
Kleiner Sonnenröschenbläuling
Aricia agestis
engl.: brown argus
Häufigkeit & Schutzstatus: weit verbreitet
Größe (Flügelspannweite): 2,2-2,7 cm
Falter: dunkelbraune Flügeloberseiten mit orangeroten Binden an allen Flügeln
Raupe: gelbgrün, 1,3 cm lang, manchmal mit rötlicher Seiten- und Rückenlinie, asselförmig
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: sonnige, trockene Stellen
Flugzeit: Mai – September
Raupenstadium: Juni bis Mai
Nahrungspflanzen der Raupe: Sonnenröschen, Kleiner Storchschnabel, Reiherschnabel
Nektarpflanzen: Dost, Flockenblume, Heidekraut, Hornklee, Kartäusernelke, Reiherschnabel, Storchschnabel
Verhalten: 2 -3 Generationen
Marburg: Am Kombacher Hirschstein bei Biedenkopf
Hesperiidae
Diese Familie ist insgesamt eher kleiner und kompakter. Im Sitzen breiten sie meist ihre Vorder- und Hinterflügel aus. Auch die Raupen sind etwas dicker als andere und meist flaumig behaart. In Mitteleuropa kommen etwa 30 Arten vor.
Gelbfleckiger Dickkopffalter
Carterocephalus palaemon
engl.: chequered skipper
Häufigkeit & Schutzstatus: Ziemlich häufig
Größe (Flügelspannweite): 2,2-2,8 cm
Falter: dunkelbraune Flügel mit gelben Würfelflecken, Unterseite der Hinterflügel heller mit dunkel umrandeten weißgelben Flecken
Raupe: hellgrün, 2,3 cm lang, dunkel und hell längs gestreift und schwarzem Kopf, sowie schwarzem Fleck am Ende
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Heideflächen, Moorwiesen, Waldlichtungen
Flugzeit: April – Juli
Raupenstadium: Juli bis April
Nahrungspflanzen der Raupe: Pfeifengras, Knäuelgras, Landreitgras
Nektarpflanzen: auf Blüten eines wechselnden Mosaiks aus offenen und schattigen Flächen, u.a. den kriechenden Günsel
Verhalten: diese Art kann sehr schnell fliegen
Marburg: Naturschutzgebiet „Franzosenwiesen“ im Burgwald
Gewöhnlicher Würfelfalter
Pyrgus malvae
engl.: grizzled skipper
Häufigkeit & Schutzstatus: weit verbreitet, aber im Rückgang (§)
Größe (Flügelspannweite): 1,8-2,2 cm
Falter: schwarzbraune Flügeloberseite mit weißen Würfelflecken
Raupe: gelblich grün, 1,9 cm lang, dunkle Rückenlinie, feine, weiße Behaarung
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Feuchtgebiete, Flachmoore, Trockenwiesen, Wegböschungen
Flugzeit: April – Juli
Raupenstadium: Juni bis August
Nahrungspflanzen der Raupe: nur Rosengewächse wie Rötliches Fingerkraut, Mädesüß, Odermennig, Kleiner Wiesenknopf
Nektarpflanzen: u.a. Hornklee, Löwenzahn
Sonstiges: der botanische Artname „malvae“ ist irreführend, da er leider nicht stimmt und dieser Falter nicht an Malven geht
Marburg: Am Kombacher Hirschstein bei Biedenkopf
Nympahlidae
Neben den noch folgenden Ritterfaltern weist diese Familie mit die edelsten und schönsten Falter auf. Mittlerweile werden hier die Augenfalter dazugezählt, die früher noch eine eigene Familie führten. Sie ernähren sich ausnahmslos von grasartigen Pflanzen. Sie sind sehr gut an ihren Augenflecken zu erkennen. Die Falter sind aber in der Regel nur braun. Auch andere Familien weisen "Augen" auf, wie das Tagpfauenauge. Auch die Wanderfalter (Link) (Danaideae) bilden eine Unterfamilie der Edelfalter.
Waldbrettspiel - Laubfalter
Pararge aegeria
Unterfamilie: Augenfalter
engl.: speckled wood
Häufigkeit & Schutzstatus: Ziemlich häufig
Größe (Flügelspannweite): 3-4 cm
Falter: dunkelbraune Flügel, kleine Augenflecken auf den Hinterflügeln, violett schimmernder Außenrand
Raupe: hellgrün, 2,7 cm lang, dunklem Rückenstreifen mit heller Einfassung, leichte Behaarung
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: lockere Wälder (insbesondere Eichen- und Buchenbestände), Waldränder, Obstgärten
Flugzeit: April - September
Raupenstadium: Mitte April bis Mitte Oktober
Nahrungspflanzen der Raupe: Süßgräser - Fiederzwenke, Landreitgras, Pfeifengras; Sauergräser - Waldsegge
Nektarpflanzen: Er hält sich selten auf Blüten auf, eher bediente er sich an Baumsäften, überreifem Obst
Verhalten: er sitzt häufig auf Blättern und verteidigt sein Revier auch mal durch einen Luftkampf mit anderen Männchen; am Waldboden ist er hervorragend getarnt
Marburg: in den Wäldern des Wollenbergs bei Sterzhausen oder des Eisenbergs bei Michelbach
Schachbrettfalter - Damenbrett
Melanargia galathea
Unterfamilie: Augenfalter
engl.: marbled white
Häufigkeit & Schutzstatus: Ziemlich häufig
Größe (Flügelspannweite): 3-5 cm
Falter: charakteristische schwarz-weißes Schachbrettmuster, kleine Augenflecken auf den Hinterflügeln
Raupe: grün, hellbraun oder gelbbraun mit hellbraun abgesetztem Kopf, 2,8 cm lang, dunkle Rückenlinie mit hellen und dunklen Seitenstreifen
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Wiesen & Waldlichtungen
Flugzeit: Juni - August
Raupenstadium: August bis Mitte Juni
Nahrungspflanzen der Raupe: Süßgräser - Fiederzwenke, Knäuelgras, Wiesen-Rispengras, Aufrechte Trespe
Nektarpflanzen: Disteln, Flockenblumen, Knautie (Witwenblume), Skabiosen
Verhalten: die Männchen sitzen nicht tatenlos rum, sondern fliegen aktiv auf der Suche nach Weibchen durch die Wiesen; die Falter halten gerne abendliche Schlafgemeinschaften auf Blüten ab
Marburg: am Kombacher Hirschstein, an der Brachehöll bei Niedereisenhausen und im Ewigen Tal von Michelbach
Großes Ochsenauge
Maniola jurtina
Unterfamilie: Augenfalter
engl.: Meadow brown
Häufigkeit & Schutzstatus: Ziemlich häufig
Größe (Flügelspannweite): 4-4,8 cm
Falter: dunkelbraune Flügel, bei den Männchen mit schwarzem Duftschuppenfleck und hell umrandeten kleinem Augenfleck, bei den Weibchen mit orangenem Fleck und weiß gekerntem Auge
Raupe: hellgrün, 2,5 cm lang, hellem Rückenstreifen und weißen Haaren
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: offenes, trockenes Gelände, Trockenwiesen, Waldränder, am Rand von Mooren
Flugzeit: Juni - September
Raupenstadium: Januar bis Dezember
Nahrungspflanzen der Raupe: Süßgräser - Wolliges Honiggras, Wiesen-Rispengras, Schafschwingel, Aufrechte Trespe
Nektarpflanzen: Kratzdistel-Arten, Flockenblume, Dost, Ringelblume, Schafgarbe, Sommerflieder, Wasserdost, Brombeere, Weiß-Klee, Rot-Klee, Glocken-Heide, Tauben-Skabiose, Sandköpfchen, Thymian, Margerite, Rainfarn, Teufelsabbiss und Baldrian
Verhalten: an heißen Tagen verharren sie reglos im Schatten
Marburg: Kombacher Hirschstein
Dunkler Waldvogel - Schornsteinfeger
Aphantopus hyperantus
Unterfamilie: Augenfalter
engl.: ringlet
Häufigkeit & Schutzstatus: Ziemlich häufig
Größe (Flügelspannweite): 3,5-4,2 cm
Falter: dunkelbraune Flügeloberseite, beim Männchen mit schwachen Augenflecken, beim Weibchen mit 5 hell umringten Augenflecken und helleren Hinterflügeln
Raupe: graubraun bis hellrot, 2,5 cm lang, mit dunkler Rückenlinie und Punktierung, leicht behaart
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: halbschattiges, offenes Gelände, Saumgesellschaften, Waldränder
Flugzeit: Juni - August
Raupenstadium: Juli bis Juni
Nahrungspflanzen der Raupe: Süßgräser - Knäuelgras, Landreitgras, Wiesen-Rispengras, Pfeifengras, Rotschwingel, Aufrechte Trespe; Sauergräser - Waldsegge
Nektarpflanzen: violette Blüten - Dost, Himbeere, Sumpf-Storchschnabel, Witwenblume sowie Jakobs-Kreuzkraut
Verhalten: sitzen hauptsächlich mit geschlossenen Flügeln, bei kühler Witterung auch mal mit Offenen
Marburg: Naturschutzgebiet Strickshute bei Frechenhausen
Perlgrasfalter - Weißbindiges Wiesenvögelchen
Coenonympha arcania
Unterfamilie: Augenfalter
engl.: pearly heath
Häufigkeit & Schutzstatus: weit verbreitet, im Rückgang, geschützt §
Größe (Flügelspannweite): 2,8-3,5 cm
Falter: ockerfarben bis orangebraune Flügel mit dunklem Rand, Hinterflügel eher dunkelbraun, weiße Querbinde auf den Hinterflügeln mit gelb und schwarz umringten Augenflecken mit weißem Kern, sowie einem weiteren größeren und kleineren Fleck in der Mitte und am Vorderflügel
Raupe: hellgrün, bis zu 2 cm lang, stärkerer und schwächerer weißer Seitenstreifen, rosa Zipfel am Hinterleib
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Sonnige Waldränder, lockere Wälder, verbuschte Trockenrasen
Flugzeit: Mai - August
Raupenstadium: Juli bis Juni
Nahrungspflanzen der Raupe: Süßgräser - Wolliges Honiggras, Schafschwingel
Nektarpflanzen: Klappertopf
Verhalten: an heißen Tagen verharren sie reglos im Schatten
Marburg: Kombacher Hirschstein
Kleiner Fuchs - Nesselfalter
Aglais urticae
Unterfamilie: Fleckenfalter
engl.: small tortoiseshell
Häufigkeit & Schutzstatus: häufig, mit dem Tagpfauenauge der verbreitetste Edelfalter
Größe (Flügelspannweite): 4-5 cm
Falter: leuchtend orangebraune Flügel mit einigen dunklen Flecken, mit blauer Zeichnung am hinteren Außenrand. Flügelunterseite unscheinbar braun
Raupe: schwarz, bis zu 3 cm lang, mit gelben Längsstreifen und feinen Pünktchen, sowie schwarzen Dornen
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: offene Lebensräume
Flugzeit: Januar - Dezember
Raupenstadium: Mai bis August
Nahrungspflanzen der Raupe: ausschließlich die Große Brennnessel
Nektarpflanzen: Habichtskräuter, Huflattich, Kratzdistel, Leimkräuter, Salweiden, Schlüsselblumen, Seidelbast, Sommerflieder, Wasserdost, Witwenblumen
Verhalten: die Falter überwintern und können auch schon gesichtet werden, wenn noch Schnee liegt
Marburg: z.B. auf blütenreichen Wiesen an der Lahn, im Marbacher Wald und am Plaußdorfer Schloss bei Stadtallendorf
⁘ Botanisch benannt nach der jüngsten der "drei Grazien" ⁘
Kaisermantel - Silberstrich
Argynnis paphia
Tribus: Perlmuttfalter
engl.: silver-washed fritillary
Häufigkeit & Schutzstatus: noch ziemlich häufig
Größe (Flügelspannweite): 5,5-6,5 cm
Falter: leuchtend orangebraune Flügel mit überall dunklen Flecken und Streifen; die Unterseite ist grünlich mit silbrig weißen Schrägstreifen
Raupe: bis zu 2,8cm lang, dunkelbraun mit 2 gelben Rückenstreifen und hellbraunen Dornen
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Waldränder, feuchte & blütenreiche Waldlichtungen
Flugzeit: Juni bis September
Raupenstadium: August bis Juni
Nahrungspflanzen der Raupe: Raues Veilchen, andere Veilchenarten
Nektarpflanzen: Disteln, Flockenblumen, Kletten, Skabiosen, Wasserdost
Verhalten: Stimuliert das Weibchen vor der Paarung mit seinen Duftstoffen
Marburg: z.B. im Kernbachtal, bei Violas Ruh an den Lahnbergen
⁘ Er ist nach dem Zweitnamen der Göttin Aphrodite der griechischen Mythologie benannt. ⁘
C-Falter
Polygonia c-album
engl.: comma
Häufigkeit & Schutzstatus: ziemlich häufig
Größe (Flügelspannweite): 4,2-5 cm
Falter: lauffallend gezackte Außenränder der Flügel, orangebraun mit helleren und dunkleren Flecken; Unterseiten unscheinbarer braun, aber mit einem deutlichen weißen "C"
Raupe: bis zu 3cm lang, schwarz braun gemustert, Hälfte weiß überzogen, weiße, gelbe und schwarze Dornen
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: lockere Wälder, Waldränder, Streuobstwiesen
Flugzeit: Januar bis Dezember
Raupenstadium: Mai bis August
Nahrungspflanzen der Raupe: Brennnessel, Haselnuss, Hopfen, Salweide, Stachelbeere, Berg-Ulme
Nektarpflanzen: Disteln, Eisenkraut, Huflattich, Sommerflieder, Weidenkätzchen
Verhalten: Er ist im Herbst auch oft auf Fallobst anzutreffen
Marburg: z.B. in Gärten
Admiral
Vanessa atalanta
Wanderfalter
engl.: red admiral
Häufigkeit & Schutzstatus: fast überall häufig
Größe (Flügelspannweite): 5-6 cm
Falter: dunkelbraune Mitte, schwarz Spitzen mit weißen Punkten, dazwischen und am unteren Rand orangene Streifen - hier sind noch kleine dunkle Punkte zu sehen und innen zwei blaue Flecken; Unterseite dunkel marmoriert
Raupe: bis zu 4cm lang, gelb-grau bis schwarz, seitlich helle Fleckenreihen, stachelig
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Waldränder, Streuobstwiesen, Gärten
Flugzeit: Januar bis Dezember
Raupenstadium: Mai bis August
Nahrungspflanzen der Raupe: hier nur die Große Brennnessel
Nektarpflanzen: reife Birnen und Pflaumen
Verhalten: überquert als Wanderfalter im Winter die Alpen nach Nordafrika oder Südeuropa; er zählt zu den Methusalems unter den Schmetterlingen und kann bis zu 280 Tage alt
werden
Marburg: z.B. beim Rosenpfad oberhalb von Ockershausen, im Wald von Langenstein
Landkärtchen
Araschnia levana
Unterfamilie: Fleckenfalter
engl.: map
Häufigkeit & Schutzstatus: fast überall ziemlich häufig
Größe (Flügelspannweite): 2,8-4 cm
Falter: Die Frühlings- und Sommergenerationen unterscheiden sich immens voneinander (Saisondimorphismus); Frühjahr - braunorange mit schwarzer Fleckenzeichnung und blauen Flecken am Rand; Sommer - schwarze Grundfarbe mit weißen Flecken, weißer Binde und roten Fleckenreihen; die Unterseite ist jeweils rotbraun mit feinen, weißen Linien wie bei einer Landkarte
Raupe: bis zu 2,2 cm lang, schwarz mit feiner heller Fleckenreihe, stachelig
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Wald- und Wegränder, auch im Schatten
Flugzeit: April bis September
Raupenstadium: Mai bis September
Nahrungspflanzen der Raupe: hier nur die Große Brennnessel
Nektarpflanzen: Brombeeren, Disteln
Verhalten: als einziger Tagfalter legen die Weibchen die Eier in Türmchen an der Nahrungspflanze ab
Marburg: z.B. im Kernbachtal
Kleiner Perlmuttfalter - Wander-Perlmuttfalter
Issoria lathonia
Wanderfalter
engl.: Queen of Spain fritillary
Häufigkeit & Schutzstatus: fast überall häufig
Größe (Flügelspannweite): 5-6 cm
Falter: dunkelbraune Mitte, schwarz Spitzen mit weißen Punkten, dazwischen und am unteren Rand orangene Streifen - hier sind noch kleine dunkle Punkte zu sehen und innen zwei blaue Flecken; Unterseite dunkel marmoriert
Raupe: bis zu 4cm lang, gelb-grau bis schwarz, seitlich helle Fleckenreihen, stachelig
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Waldränder, Streuobstwiesen, Gärten
Flugzeit: Januar bis Dezember
Raupenstadium: Mai bis August
Nahrungspflanzen der Raupe: hier nur die Große Brennnessel
Nektarpflanzen: reife Birnen und Pflaumen
Verhalten: überquert als Wanderfalter im Winter die Alpen nach Nordafrika oder Südeuropa
Marburg: z.B. beim Rosenpfad oberhalb von Ockershausen, im Wald von Langenstein
Tagpfauenauge
Inachis io
engl.: European peacock
Häufigkeit & Schutzstatus: fast überall häufig
Größe (Flügelspannweite): 5-6 cm
Falter: Rostrote Oberseite mit je einem großen Augenfleck, Unterseite grau schwarz marmoriert
Raupe: bis zu 4,2cm lang, schwarz mit feiner heller Punktierung und schwarzen Dornen
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Waldnähe, Gärten
Flugzeit: Januar bis Dezember
Raupenstadium: Mai bis September
Nahrungspflanzen der Raupe: hier nur die Große Brennnessel
Nektarpflanzen: Klee, Salweiden
Verhalten: Große Augen wirken abschreckend auf Fressfeinde, die zusammengefalteten Augenflügel punkten durch ihre braune Farbe als blattähnliche Tarnung
Papilionidae
Zu dieser Familie gehören die eindrucksvollsten und wunderschönsten Schmetterlinge. Bunt, groß und auffällig.
Die Raupen habe alle gelb-orangene Nackengabeln, die beim Hervorstülpen einen unangenehmen Geruch verströmen.
In Mitteleuropa haben wir nur 6 Arten, weltweit lassen sich ihnen jene der größten Schmetterlinge zuordnen, die bis ca. 30 cm groß sein können.
Schwalbenschwanz
Papilio machaon
engl.: Old World swallowtail
Häufigkeit & Schutzstatus: nicht selten, aber geschützt §
Größe (Flügelspannweite): 5-7,5 cm
Falter: satt gelbe Flügeloberseiten mit schwarzer Zeichnung, kurze schwalbenschwanzähnliche Verlängerungen an den Hinterflügeln, blauer Färbung an den Außenrändern und je einem rot gerandeten Augenfleck
Raupe: bis zu 4,5 cm lang, glatt, ohne Haare, hellgrün mit orangeroter schwarzer Musterung und orangener Nackengabel
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: sonniges, offenes Gelände, Wegränder, Trockengelände, Magerrasen, Gärten
Flugzeit: April bis September
Raupenstadium: Juni bis Oktober
Nahrungspflanzen der Raupe: Doldengewächse wie Bärwurz, Kleine Bibernelle, Fenchel, Wiesen-Kümmel, Wilde Möhre, Pastinak; Weinraute
Nektarpflanzen: an violetten Blüten wie Eisenkraut, Flockenblumen, Rot-Klee und Sommerflieder
Verhalten: Die Falter versammeln sich zu einer Art Gipfelbalz - genannt "Hilltopping"
Marburg: z.B. rund um die Amöneburg - perfekt passend zu ihrem Balzverhalten an Hügeln und Burgruinen und Vorkommen auf Magerrasen
Pieridae
Manche ihre Vertreter zählen zu den uns bekanntesten Schmetterlingen, wie dem Zitronenfalter oder den Kohlweißlingen. Die Falter sind alle hell - gelb oder weiß. Die Raupen sind klein, und hauptsächlich grün und schwach behaart. Bei uns kommen nur ca. 15 Arten vor.
Zitronenfalter
Gonepteryx rhamni
engl.: common brimstone
Häufigkeit & Schutzstatus: überall verbreitet & häufig
Größe (Flügelspannweite): 5-5,5 cm
Falter: Männchen gelb, Weibchen weiß-grünlich, Vorder- und Hinterflügel jeweils in einem kleinen Zipfel verlängert
Raupe: klein und grün mit heller deutlicher Seitenlinie
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Wälder, Gebüsche & Waldränder
Flugzeit: Juli bis Juni
Raupenstadium: Mai bis Juli
Nahrungspflanzen der Raupe: Kreuzdorngewächse wie Faulbaum oder Echter Kreuzdorn
Nektarpflanzen: z.B. Kratzdisteln und Sommerflieder
Verhalten: Die Falter überwintern als einzige mitteleuropäische Schmetterlingsart komplett ungeschützt in der freien Natur, im Laub oder auf Stechpalme
Aurorafalter
Anthocharis cardamines
engl.: orange tip
Häufigkeit & Schutzstatus: ziemlich häufig
Größe (Flügelspannweite): 3,5-4,5 cm
Falter: weiße Falter mit orangenem Teil an den Vorderflügeln und je einer schwarzen Spitze; den Weibchen fehlen die orangenen Flecken, beide Geschlechter sind auf der Unterseite grün marmoriert
Raupe: bis zu 3cm lang, schmal, blaugrün mit mit seitlichen weißen Streifen
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Feuchtwiesen, Gärten & Waldränder
Flugzeit: März bis Juni
Raupenstadium: Mai bis August
Nahrungspflanzen der Raupe: Ackersenf, Hellerkraut-Arten, Knoblauchsrauke, Meerrettich, Bitteres Schaumkraut, Wiesen-Schaumkraut, Silberblatt
Nektarpflanzen: Kriechender Günsel, Sternmiere, Weißdorn, sowie auch Knoblauchsrauke und Wiesen-Schaumkraut
Verhalten: Die Falter fliegen nur im Frühling in einer Generation
Marburg: z.B. am gebrannten Berg rund um das Behring-Mausoleum oder nahe Weifenbach bei Biedenkopf
⁘ Er wurde nach der griechischen Göttin der Morgenröte benannt. ⁘
Kleiner Kohlweißling
Pieris rapae
engl.: small white
Häufigkeit & Schutzstatus: einer der häufigsten Schmetterlinge
Größe (Flügelspannweite): 4-5 cm
Falter: Männchen weiß mit schwarzem kleinen Fleck an den Vorderflügeln und schwarze Vorderflügelspitzen, Weibchen weiß mit zwei schwarzen Punkten und gelblicher Flügelunterseite; ähneln sehr dem Großen Kohlweißling, dieser ist aber erstens größer, hat einen größeren schwarzen Fleck und mehr Schwarzfärbung an den Flügelspitzen;
eine Verwechslung kann zudem mit dem auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehenden Grünader-Weißling entstehen
Raupe: bis 2,5cm lang mit dünner, gelblicher Rückenlinie
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: in offenem Gelände, Gärten, Landwirtschaftsflächen
Flugzeit: April bis Oktober
Raupenstadium: Juni bis Oktober
Nahrungspflanzen der Raupe: Ackersenf, Hederich, Gemüsekohl, Kapuzinerkresse, Knoblauchsrauke, Raps, Gelber Wau
Nektarpflanzen: Echten Arznei-Baldrian, Blutweiderich, Disteln, Wiesen-Flockenblumen, Lavendel, Wiesen-Salbei, Schmetterlingsflieder, Wasserdost
Verhalten: fliegt jährlich in bis zu 4 Generationen; die grünen Eier werden einzeln abgelegt
Großer Kohlweißling
Pieris brassicae
engl.: large white
Häufigkeit & Schutzstatus: noch häufig, aber überall zurückgehend
Größe (Flügelspannweite): 5-6,5 cm
Falter: Männchen weiß mit größerem schwarzen Fleck an den Vorderflügeln und stärkerer Schwarzfärbung an den Vorderflügelspitzen, Weibchen weiß mit zwei schwarzen, großen Punkten und gelblich-weißer Flügelunterseite
Raupe: bis 4cm lang grün-gelblich mit schwarzen Punkten und gelber Rückenlinie, wirkt ziemlich bunt
Beobachtungshinweise:
Vorkommen: Gärten, Gemüsefelder, seltener auf Blühwiesen und Trockenrasen
Flugzeit: April bis August
Raupenstadium: Mai bis Oktober
Nahrungspflanzen der Raupe: Hederich, Gemüsekohl, Kapuzinerkresse, Raps
Nektarpflanzen: Echten Arznei-Baldrian, Blutweiderich, Disteln, Wiesen-Flockenblumen, Lavendel, Wiesen-Salbei, Wiesen-Schaumkraut, Schmetterlingsflieder, Wasserdost
Verhalten: fliegt jährlich in 3 Generationen, je Generation werden es dann immer mehr; die gelben Eier werden in Gruppen abgelegt
◆ Fledermäuse - die meisten Nachtfalter können die Ultraschalltöne der Fledermäuse wahrnehmen und ihnen so noch rechtzeitig ausweichen
◆ Vögel (häufig Blau- und Kohlmeise) – durch Taumelflug, eine unvorhersehbare Flugbahn ausweichen; einige Raupen sondern Senföle, sind in Farbe oder Form tarnend oder abschreckend, manche Raupen und Puppen ähneln Blättern oder Ästen
◆ Spinnen (z.B. Krabbenspinne, Kreuzspinne) – lauern auf oder zwischen den Blüten
◆ Wespen & Hornissen - wartenan Saugstellen von Bäumen – als Zufallsbeute oder spezialisierte parasitäre Wespen (Grabwespen, wie die Silbermundwespe Lestica subterranea, Brackwespe Apanteles glomeratgor) – Parasiten entwickeln sich in allen Stadien bevor der Falter schlüpfen kann, und können ganze Populationen eliminieren
So grausam es auch klingt, dieses Wirkungsgefüge hat sich über die Jahre der Evolution entwickelt und sorgt für die Regulierung der verschiedenen Arten.
◆ Raubfliegen, Raupenfliegen, Libellen, Igel, Blindschleichen uvm.
◆ Aber auch wir Menschen sind eine Bedrohung, durch zu viel tun, nichts tun oder das Falsche tun, Entwässerung von Feuchtgebieten, Intensivierung der Landwirtschaft – vielschichtige Veränderungen in der Umwelt, künstliche Lichtquellen
Einen Einblick in die Gefährdungslage bieten uns die Roten Listen, mehr als 50% der heimischen Arten sind somit gefährdet.
Wer seinen eigenen Beitrag zum Fortbestand unserer Schmetterlinge und auch anderer Insekten leisten möchte, kann dies mit kleinem Aufwand im eigenen Garten oder auch schon auf dem Balkon tun und wird umso mehr belohnt. Im Handel gibt es eine ganze Reihe an Pflanzen, die Schmetterlinge magisch anziehen. Generell ist zu beachten, dass sie den Nektar aus ungefüllten Blüten bevorzugen. Sie gehen außerdem nach ihrem Geruchssinn, was für duftende Blüten spricht. Wählt am besten leuchtende Farben, Ab einer Entfernung von 3-5 Metern erkennen sie Farben, den Geruch nehmen sie schon aus weiterer Entfernung wahr.
Einige Beispiele:
Astern, Distelarten (z.B. Kugeldistel besonders wegen Duft und Farbe), Engelwurz, Fetthenne, Flockenblumen, Karde, Kartäusernelke, Klee, Kornblumen, Lavendel (Nektar mit 48% Zucker), Liguster, Margerite, Nachtkerze (magische Anziehungskraft für viele nachtfalter), Natternkopf Oregano, Phlox, Rainfarn, Sommerflieder, Sonnenhut, Telekie, Thymian, Wiesen-Salbei, Witwenblumen (Schmetterlings-Magnet für bis zu 56 Tagfalter)
Wichtig ist es außerdem, die geeigneten Nahrungspflanzen der Schmetterlingsraupen in der Nähe zu haben. Dies ist zum Beispiel die Brennnessel, von der sich die Raupen von ganzen 41 Tagfaltern ernähren! Oder auch Dill, Fenchel, Klee, Wicken, Veilchen, Sauerampfer. Beliebt sind außerdem unsere heimischen Süßgräser wie Pfeifengras, Landreitgras oder Schafschwingel.
Zusätzlich eigenen sich glatte Steine mit kleinen Furchen als Wasserstellen für die Falter. Hecken und Schmetterlingshäuschen liefern Verstecke und Rückzugsorte.
Buchquellen:
Der Kosmos-Insektenführer, 2018, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart
Der Kosmos-Schmetterlingsführer, 2016, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart
Der Kosmos-Schmetterlingsführer, 1980, Franckh'sche Verlagshandlung, W. Keller & Co., Stuttgart
Microchiroptera
Die geheimnisvollen Wesen der Nacht, die kopfüber in Höhlen schlafen, galten lange Zeit als Symbol der Unterwelt, des Todes und sogar des Teufels. Heute erfreut sich die Fledermaus wieder eines
besseren Rufes.
In Marburg wird der Fledermaus-Schutz sehr groß geschrieben.
Das Marburger Land bietet dank seiner Vielseitigkeit und zahlreicher Schutzgebiete vielen Fledermausarten ausgezeichnete Lebensbedingungen - als Brutstätten, Jagdreviere oder Sommer- und Winter-Quartiere. Das Marburger Schloss zum Beispiel ist das größte Winterquartier der Zwergfledermaus in ganz Deutschland. Hier ist sogar ein "Bat-Detektor" aufgestellt, an dem man die Fledermausrufe hören kann.
Außer an den nachfolgend beschriebenen Orten, bewohnen die Fledermäuse auch den Dachstuhl des Michelchens, die Elisabethkirche, die Cappeler Stollen (ehemalige Eiskeller der Marburger Brauerei) und die Tannhäuser Stollen in der Nähe der Waggonhalle.
Mopsfledermaus
Barbastella barbastellus
Sie zählt zu den sehr seltenen Fledermausarten und wiegt nur 7 bis 10g. Sie tragen eine einheitlich dunkle Färbung. Ihr Lebensraum ist der Wald, vereinzelt sind aber auch Hecken oder Gärten möglich. Quartiere werden bevorzugt in naturnahen und strukturreichen Wäldern mit hohem Alt- und Totholzanteil gesucht.
Sie steht auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten. In Marburg kommt sie z.B. am Marburger Rücken vor. Sie ist Fledermaus der Jahre 2020-2021.
Bechsteinfledermaus
Myotis bechsteinii
Sie wird als seltene Art eingeordnet und steht ebenfalls auf der Roten Liste.
Wie die Mopsfledermaus liegt ihr Gewicht zwischen 7 und 10g. Ihr Markenzeichen sind auffällig lange, abstehende Ohren. Sie trägt ein verschiedenfarbiges Fellkleid von braun über rotbraun bis beige oder grau. Ihr bevorzugter Lebensraum sind Eichenwälder. In Marburg nutzen sie den Dammelsberg als Wochenstube und Jagdrevier. Auch das Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet "Kleine Lummersbach" bietet dank des alten Baumbestandes hervorragende Lebensbedingungen für sie.
Zwergfledermaus
Pipistrellus pipistrellus
Die Zwergfledermaus zählt zu den sehr häufigen Arten und ist mit 3 bis 7g viel leichter und kleiner als andere Fledermäuse. Sie hat sehr kleine, runde Ohren und dunkelbraunes bis rotbraunes Fell.
Sie sucht sich Quartiere in Baumhöhlen, Felsspalten und Gebäuden. Ansonsten ist sie bei der Wahl ihres Lebensraumes nicht sehr anspruchsvoll und lebt oft auch in Innenstädten. Trotz ihrer Häufigkeit steht auch sie auf der Roten Liste durch langfristig starken Rückgang.
Quartiere am Marburger Rücken
Alte Bunkeranlagen am Marburger Rücken nahe des Naturfreundehauses am Ortsausgang der Marbach nutzen Fledermausarten wie die Mopsfledermaus, die Bechsteinfledermaus und das Große Mausohr als
Winterquartier.
Dieses Gebiet ist Bestandteil des Flora-Fauna-Habitat (FFH) – Gebiet „Lahnhänge zwischen Biedenkopf und Marburg“ und erfüllt als naturnahes Waldgebiet mit vielfältiger Waldstruktur die speziellen Lebensraumansprüche von Fledermäusen.
„Die Fledermaus“
von Johann Wilhelm Ludwig Gleim,
deutscher Anakreonitiker, Epigramm- und Fabeldichter
Quartiere am Dammelsberg
Als Teil des Schutzgebietes „Dammelsberg und Köhlersgrund“ ist besonders die Kuppe des Dammelsberg durch den alten Eichenbestand hervorzuheben. Das viele Alt- und Totholz und die mittlerweile entstandenen Baumhöhlen, sind nicht nur für Hirschkäfer ein wertvoller Lebensraum. Auch bedrohten Fledermausarten bietet das bewaldete Gebiet geeignete Brutstätten und Jagdrevier wie zum Beispiel der Bechsteinfledermaus. Zusätzliche Fledermauskästen unterstützen dabei.
Einst stand hier im 13. Jahrhundert die "Cassenburg", von der aber heute nichts mehr zu sehen ist.
Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Dammelsberg bereits als Waldpark für die Marburger Bürger genutzt.
Das Betreten des Kernbereiches wird allerdings durch akute Lebensgefahr von herabfallenden Ästen nicht empfohlen.
Hilfe für die Nachtschwärmer
Wer selbst Fledermäuse im eigenen Garten oder Dachboden hat, oder sie ansiedeln möchte, kann mit einfachen oder auch aufwändigeren Maßnahmen die kleinen Tiere unterstützen. Bevor Umbaumaßnahmen stattfinden, sollte man zuerst mögliche Quartiere ausschließen, oder diese sogar mit einplanen. Ausführliche Informationen findet ihr hier.
Quellen:
"Die Fledermäuse Europas kennen, bestimmen, schützen", C. Dietz & A. Kiefer, 2014, Stuttgart
www.marburg.de
www.nabu.de