Insbesondere um die Farne ranken sich viele Mythen und Sagen.
Sie waren lange Zeit eine geheimnisvolle, unentschlüsselte Pflanzenform, die als Schattenpflanze im ebenso unheimlichen Wald zu finden war.
In unseren Wäldern bevorzugen die reizvollen Gestalten feuchte und schattige Standorte und man sagt, dass sie sogar besser über Wasseradern wachsen. Man kann einige Arten auch wunderbar
in schattigen Ecken des eigenen Gartens ansiedeln - zusammen mit Moosen entsteht so eine eigene kleine Zauberwelt.
Zur weiteren Verwandtschaft der ohnehin schon faszinierenden bekannteren Farne zählen u.a. auch die geschützten und giftigen Bärlappe mit ihrer eigenen magischen Bedeutung und die Schachtelhalme, von denen der Ackerschachtelhalm - auch Zinnkraut genannt, sehr heilkräftig ist.
Die Farne sind die Nachkommen der riesigen Baumfarne aus der Urzeit. Sie vermehren sich über Sporenbildung.
Farne sind zusammen mit den Flechten und Moosen bereits seit Urzeiten auf der Erde. Das belegen Fossilienfunde von vor Millionen von Jahren. Damals bildeten sie hochstämmige Wälder, von
denen noch Reste als Steinkohle zu finden sind.
Etwa 12.000 verschiedene Arten existieren weltweit, davon finden wir ungefähr 200 in Europa
und ca. 60 im Mitteleuropa, davon 40 in Deutschland.
Aufgrund der erst sehr spät (im 19. Jahrhundert) herausgefundenen Lebensweise & Vermehrung der Farne, haftete ihnen lange Zeit etwas geheimnisvolles, gar Mythisches an. Zahlreiche
Geschichten, Legenden & Aberglauben haben sich daraus entwickelt.
Man glaubte, dass sie nur einmal im Jahr in der Johannisnacht (23.-24. Juni) "blühen".
Der Samen, der dann auf die Erde fällt, sollte helfen, Schätze zu finden, Tiere zu verstehen oder sogar unsichtbar zu machen.
Die Suche nach den Farnsamen in der Johannisnacht war regelrecht beliebt und musste im 16. und 17. Jahrhundert noch von der
Kirche
und dem Herzog von Bayern per Gesetz verboten werden. Wer mit Farnsporen erwischt wurde, wurde leicht der Hexerei bezichtigt.
Auch heißt es, dass sogar das Jesuskind in einer Wiege aus echtem Labkraut und Farnen zur Welt gekommen sei.
Eine Legende besagt, dass die Farne dort ihre Blüten verloren haben, da sie die Geburt des Jesuskindes nicht anerkennen wollten.
Als Amulett bei sich getragene oder in die Kleidung eingenähte Farnblätter sollten vor Unwettern, Dämonen & Geistern schützen.
Würde man im Wald allerdings auf den Wurmfarn treten, so verlöre man die Orientierung.
Farne symbolisierten außerdem den Eingang zur Elfenwelt.
Auch Hildegard von Bingen hielt den Farn für bedeutend: "Wo Farn ist, übt der Teufel sein Gaukelspiel selten aus. Blitz, Donner und Hagel fallen dort selten ein. Wer den Farn bei sich trägt, ist
sicher vor den bösen Anschlägen auf Leib und Leben."
Adlerfarn
Pteridium aquilinum
Der Adlerfarn ist die größte heimische Farnart in unserer Region. Er kann bis zu 3m hoch werden und große Bestände bilden. Daher ist er für manche ein umstrittenes Gewächs und wird
teilweise sogar bekämpft.
Unabhängig davon ist er für das magische Auge aber ein schöner Anblick. Am liebsten wächst er in lichten Kiefernwäldchen oder Eichenhainen. Ganze drei Jahre benötigt er, um seine Blätter
voll auszubilden, denn jedes Jahr bildet er nur ein zusätzliches neues Blatt aus.
Seine unterirdischen Rhizome können mehrere Hundert Jahre bestehen und viele Meter lang werden.
Gut erkennbar ist er, abgesehen von seiner Größe daran, dass seine Wedel waagerecht von einzelnen Stielen ausgehen.
Seinen Namen erhielt er, da die eingerollten Enden der Blätter Adlerkrallen ähneln.
Die Pflanze ist giftig für Mensch und Tier, dennoch wird sie in Teilen Asiens und den USA als Salat & Gemüse verzehrt.
Braunstieliger Streifenfarn
Asplenium trichomanes
Unsere Farne findet man nicht nur in den Wäldern, manche kann man auch im eigenen Garten ansiedeln oder sie wachsen wild in Mauerritzen, wie hier in einer Trockenmauer in der Oberstadt Marburgs.
Der Braunstielige Streifenfarn zählt zu den kleinsten Farnen. Er ist wintergrün und wächst in kleinen Büscheln.
Er kommt häufig vor und ist nicht geschützt.
Rippenfarn
Blechnum spicant
Die wintergrüne in Rosetten wachsende Farnart ist relativ häufig bei uns anzutreffen. Die rippenartigen, ledrigen, dunkelgrünen Wedel werden etwa 30-40 cm lang. Die frischen, hellgrünen
Blätter treiben senkrecht aus der Mitte aus, sie entwickeln die Sporangien zur Fortpflanzung. Anfangs sind sie an den Enden noch eingerollt.
Der Rippenfarn eignet sich auch als Zimmerfarn,
er benötigt aber viel Feuchtigkeit.
Ihr findet ihn zum Beispiel im Teufelsgraben und am Christenberg.
Tüpfelfarn "Engelsüß"
Polypodium vulgare
Der Tüpfelfarn ist meines Erachtens auf den ersten Blick leicht mit dem Rippenfarn zu verwechseln. Allerdings hat der Tüpfelfarn ganz markante, tüpfelförmige Sporen auf den
Unterseiten seiner Wedel, die sogar leicht auf der Oberseite durchprägen.
Er wächst gerne an Mauern, in Moospolstern, auf morschen Eichenbaumstämmen und in Felsspalten, wie hier zum Beispiel bei den Wichtelhäuser
Steinen.
Den Beinamen "Engelsüß" erhielt er, da sein unterirdisches Rhizom Zucker enthält.
Bereits seit der Antike sind heilkundige Anwendungen mit der Wurzel des Tüpfelfarn bekannt. Dioskurides und später Hildegard von Bingen setzen sie bei Beschwerden im Verdauungsbereich ein.
Der Tüpfelfarn soll auch Bestandteil von Liebeszaubern gewesen sein: "Die Wurzel Engelsüß macht die Bräute sanft und lieblich, daß sie nicht streiten."
Wurmfarn
Dryopteris filix-mas
Die Wurmfarne wie auch die Frauenfarne wachsen als einzelne Wedel in trichterförmig auseinander stehenden Sträußen aus dem Waldboden. Die Wedel sind ca. 1m lang und die Blätter
wechselständig angeordnet.
Die Sporen an den Unterseiten sind bei den Wurmfarnen mit einem nierenförmigen Schleier überzogen.
Wurmfarne sind in schattigen Wäldern, besonders gerne in Buchenwäldern, weit verbreitet und können große Bestände ausbilden.
Die Wurzel, die sogenannten "Rhizome" werden als Arzneimittel bei Bandwürmern eingesetzt. Daher der Name. Die Wedel wurden zudem als Toilettenpapier und zur Isolierung
der Wände genutzt.
Getrocknet in der Matratze sollte das "Farnheu" bei Ischias und Krämpfen helfen, sowie gleichzeitig eine aphrodisierende Wirkung ausstrahlen.
Trotz ihrer Giftigkeit hilft der Wurzelextrakt bei Hautunreinheiten und Akne. Sie gelten als durchblutungsfördernd, schmerzstillend, vitalisierend und
wärmend. Dafür sind die Inhaltsstoffe ätherisches Öl, Bitterstoffe, Butanonphloroglucide.
Hier ist durch die Gefahr von Überdosierung immer ein Fertigpräparat anzuraten.
Äußerlich angewandt helfen sie bei Tinnitus und Regelschmerzen als Auflage.
Im Garten halten sie Schnecken und andere Schädlinge fern.
Legt man sie Hunden ins Körbchen, vertreiben sie zuverlässig Flöhe.
Heute sollen sie sogar gegen Radioaktivität und G4- und G5-Strahlung schützen.
Hirschzungenfarn
Asplenium scolopendrium
Die Hirschzunge zählt zu den Streifenfarngewächsen. Die Blattwedel sind ungeteilt und hellgrün. Sie werden zwischen 15 und 60 cm lang. Die Sporen sind in Streifen an der Blattunterseite
angeordnet.
Sie kommt an steinige Abhängen, auf Kalkböden und in Schluchtwäldern vor. Die winterharte Hirschzunge eignet sich auch sehr gut für schattige Ecken im Garten.
Die Farnwedel wurden früher in der Klosterheilkunde, insbesondere von Hildegard von Bingen eingesetzt. Sie fand Verwendung als Wundheilmittel, bei Tuberkulose und Problemen mit der Leber &
Milz. Hirschzungenpulver wird auch heute noch verwendet und ist in Apotheken erhältlich. Bei der Operations-Nachsorge und bei Gehirnerschütterungen und Schläudertrauma kommt es wohl noch zum
Einsatz. Außerdem sind die Blätter in Gewürzwein gekocht ein Mittel bei starkem Husten.
Sie ist in Europa verbreitet, dennoch selten und geschützt.
Teufelsgraben
Der seit 1979 als Naturschutzgebiet ausgewiesene Teufelsgraben, liegt tief im Wald zwischen der Marbach und Wehrda. Die seit damals geschützte und sich dort vorfindende Artenvielfalt ist für die
Breiten einzigartig und durch die schattige Lage und das feuchte Mikroklima fast gebirgsähnlich.
Verschiedene Farnarten wie
Rippenfarne & Wurmfarne kommen hier vor.
Dazu das plätschern des Bächleins und die vielen anderen Gewächse, die dieses feuchte Klima lieben, wie verschiedenste Moose, Gräser, Pilze und viele mehr.
Mir liegt besonders am Herzen, auch nochmal auf den respektvollen Umgang mit der Natur hinzuweisen.
Christenberg
Im Burgwald liegt neben dem Naturschutzgebiet "Christenberger Talgrund" auch noch das Naturschutzgebiet "Christenberg".
Dieses erstreckt sich nördlich des Christenbergs und beinhaltet Erlensumpfwälder entlang des Silberbornbachs und den Spiegelteich.
Neben vielen Farnarten, wie auch dem Rippenfarn, soll hier auch der
Sprossende Bärlapp und der Zeillers-Flachbärlapp vorkommen.
Mehr über das Naturschutzgebiet
Christenberg
Auch hier nochmal der Hinweis, besonders respektvoll mit der Natur umzugehen.
Wehrholz
Bei Michelbach nahe der Weinstraße liegt das Waldstück "Wehrholz", die neueren Sturmschäden haben zwar die Wege etwas umgeleitet, jedoch so gesehen noch mehr Platz für verschiedene Farnarten
geschaffen. Dominierend ist hier, wie auf dem Bild zu sehen, der Adlerfarn. Aber auch Wurmfarne und Eichenfarne fühlen sich hier wohl.
Farn-Orte auf der Karte finden
"Behringwald"
In einem der lichten Kiefernwäldchen am Gebrannten Berg in der Nähe des Behring-Mausoleums fühlt sich eine Gemeinschaft aus Adlerfarnen und Roten Fingerhüten wohl.
Zusammen erwirken sie ein eindrucksvolles Bild. Sie schaffen einen regelrecht magischen Ort.
Hier fällt es einem besonders leicht sich eine eigene kleine Welt darunter vorzustellen.
Farn-Orte auf der Karte finden
Bärlappe
Botanisch: Lycopodiaceae
Einst bildeten sie bis zu 40m hohe Bäume. Sie erinnern zwar eher an Moose, sind aber Verwandte der Farne. Ihre Sprossen kriechen den Boden entlang und bilden ca. 30cm hohe Ästchen mit
nadelförmigen, kleinen Blättern. Im Herbst verteilen sie ihr Sporenpulver, das auch "Hexenmehl" genannt wird. Eine ausreichende Menge davon erzeugt eine Feuerexplosion, was auch
gerne in Theateraufführungen genutzt wurde. Das Pulver wird auch heute noch in Wundpudern verwendet.
Die Entwicklung der Bärlappe nimmt viel Zeit in Anspruch.
Hier finden wir den Keulenbärlapp oder auch "Schlangenmoos" (an den Lahnbergen und wohl auch im Christenberger
Talgrund) - auf Lichtungen und an Wegrändern, den Sprossenden Bärlapp in sauren Nadelwäldern (er soll am Christenberg zu finden sein, ebenso wie der Zeillers-Flachbärlapp).
alle Bärlapp-Arten sind streng geschützt!
An den Blattunterseiten befinden sich blütenstaubähnliche Sporen.
Daraus bilden sich männliche und weibliche Geschlechtsorgane.
Die Befruchtung der Eizellen erfolgt durch die Bewegung der männlichen Geschlechtszellen
und nur bei Benetzung mit Wasser.
Aus der befruchteten Eizelle wächst bereits die neue Farnpflanze heran.
Somit entsteht ein Kreislauf.
Bei fast allen lassen sich die sogenannten "Bischofsstäbe", die anfangs eingerollten Farnblätter beobachten. Das resultiert daraus, dass die Blattunterseite schneller wächst, als die Oberseite.
"Man sieht oft etwas 100 Mal, 1000 Mal, bevor man es zum ersten Mal wirklich sieht."
Christian Morgenstern, 1871-1914
Buchquellen:
"Farne, Moose, Flechten", Prof. Dr. Hans Martin Jahns
"Urpflanzen. Kraft, Magie und Weisheit alter Heilpflanzen.", Renato Strassmann
"Das große Buch der Heilpflanzen", Pahlow, München, 1993
www.rp-giessen.hessen.de/beschreibung-der-einzelnen-naturschutzgebiete