Moose

Bryophyta 

 

Im Frühling und Sommer nimmt man diese Welt zwischen den anderen vielen Grüntönen und Farben leider manchmal gar nicht wahr, doch sie sind immer da. 

 

Wenn man mal genauer hinschaut, sieht man eine scheinbar eigenständige Welt voller Faszination.

 

Es ist ein wunderschönes Gefühl, Moos zu berühren oder darüber mit flüsterleisen Schritten zu laufen. 

Früher polsterte man mit Moos Kissen und Matratzen oder dämmte die Häuser. 

Einen mystischen Charakter erzeugen sie ebenso mit der Vorstellung einer Lebenswelt kleiner Feen und Waldgeister. Aus der Nähe betrachtet, bestehen die kuschelweichen Polster aus kleinen Miniaturbäumchen, unter denen es fröhlich umherkrabbelt.


Geschichte

Urpflanzen - faszinierend und wertvoll seit ewigen Zeiten

 Sie sind zusammen mit den Flechten und Farnen bereits seit Urzeiten auf der Erde. Das belegen Fossilienfunde von vor Millionen von Jahren. Über 10.000 verschiedene Arten existieren weltweit, davon mindestens 1000 allein in Deutschland.

 

Im Mittelalter und sicherlich auch schon einige Zeit davor, nutzte man besonders Torfmoose dank ihrer wasseraufsaugende Fähigkeit als Toilettenpapier, Babywindeln und vielem mehr.

Damals konnte man sich ihre Lebensweise noch nicht erklären, was sie mystisch wirken ließ.

Auch sie sind bereits seit jeher als Heilpflanzen für uns im Einsatz. Hildegard von Bingen nutzte Moos- Abkochungen gegen die Gicht. Moose, die auf Totenschädeln wuchsen, sollten sogar Zauberkräfte besitzen. Heute verwendet man nur noch einige wenige Arten mit Vorsicht. Denn einige sind giftig oder geschützt. 

 

Die meisten Moose benötigen kaum Licht, aber sehr viel Wasser, welches sie in großer Menge speichern können und so den Wasserhaushalt der Landschaft im Gleichgewicht halten und sogar vor Erosion schützen. Sie sind besonders wichtig für das Mikroklima und viele kleine Lebewesen im Wald, wie Käfer, Würmer und Schnecken. Einige Vögel nutzen es auch gerne für ihren Nestbau. Moose kommen auch mit sauren Böden gut zurecht, sodass ihnen ein breiter Lebensraum zur Verfügung steht. In Trockenzeiten gehen sie in einen Zustand ruhenden Lebens über und leben wieder auf, sobald sie mit etwas Wasser in Berührung kommen. Sie können viele 100 Jahre alt werden.

 

Botanisch werden sie nach Laub-, Leber- und Hornmoosen unterschieden.

Viele altbekannte Botaniker haben über die Jahrhunderte den Moosen stets ihre Aufmerksamkeit gewidmet und sie in ihren Kräuterbüchern aufgeführt. Hieronymus Bock (1498- 1554)  und Hieronymus Brunschwig (1450-1512) bezogen sich sogar auf die magischen Fähigkeiten mancher Arten. Auch Otto Brunfels (1489--1534) und Leonard Fuchs (1501-1566) lieferten bereits Ende des Mittelalters naturnahe Abbildungen.


Die häufigsten Moose der Marburger Region

Widertonmoose

Polytrichum

 

Das Schöne Widertonmoos  P. formosum, auch "Wald-Frauenhaar"  genannt ist am häufigsten. Es wächst in großen Beständen als Polster in unseren Wäldern und wird bis zu 15cm groß. Man trifft aber auch auf das Gewöhnliche Widertonmoos P. commune, auch "Goldenes Frauenhaar", das aber hauptsächlich in Mooren und sehr feuchten Wäldern vorkommt und dort bis zu 40cm hoch werden kann.  Das Wacholder-Widertonmoos P. juniperinum ist schwieriger zu unterscheiden.

Widertonmoose leiten sich von dem Ausdruck "Wider das Antun" ab, mit dem man damals Schadzauber und böse Geister abhielt. Aufgrund dessen und ihren guten Dichtungseigenschaften nutzte man sie gerne und überall im eigenen Heim. Sei es um Ritzen zu stopfen oder Bürsten daraus zu machen.


Zypressenschlafmoos

Hypnum cupressiforme

 

Schlafmoose wurden im Mittelalter als Bettfüllung genutzt, daher nannte  Carl von Linné deren Gattung später "Hypnum".

 

Das Zypressenschlafmoos glänzt in einem hellen saftigen Grün und breitet sich graziös in alle Richtungen aus. Es überzieht Steine, Totholz und Bäume.

Auch in der Gattung der Schlafmoose gibt es noch mehrere Varianten.


Gewöhnliches Gabelzahnmoos

Dicranum scoparium

 

Glänzende ca. 10cm hohe Rasen, die oft zwischen anderen Arten wachsen und ohne ihre auffällige Farbe leicht untergehen würden.

Es wächst in Wäldern und Heidegebieten, sowie an Baumstämmen und Felsen.


Auch die Romantikerin Bettina von Armin (geb. Brentano) schrieb einst,

als sie in Marburg weilte und in der Natur umherstreifte:

 

"Ich hab mir die Moose herausgesucht [...] ich entdeck eine Welt, alles läuft und stürmt durch wie durch einen Forst."


Lebermoose

Hepaticae

 

Sie entstanden vor ca. 470 Millionen Jahren und gelten als die ersten Landpflanzen der Erde. Ohne Wurzeln und Blüten überdauerten sie die Zeiten. Ihre Polster können sich meterweit ausbreiten, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben. Die Vermehrung erfolgt wie bei den anderen Moosen über Sporenbildung. Dabei fahren sie dann kleine Schirmchen aus. Ihr Name lässt sich auf ihren damaligen Einsatz der Signaturenlehre bei Leberleiden zurückführen.

 

Sie lieben einen sehr feuchten Standort. 

Bei uns kann man sie daher meist im Bereich von Quellen oder sickerndem Wasser finden, wie an den Lahnbergen an einem Pfad, der über Violas Ruh' zum Spiegelslustturm hinaufführt oder auch im Naturschutzgebiet Christenberg im Burgwald

 

Auf der Karte ansehen


Streng geschützte und bedrohte Moos-Arten

Torfmoose

Sphagnum

 

Es existieren ungefähr 60 verschiedene Arten von Torfmoosen, die teils nur mit dem Mikroskop unterschieden werden können, manche bilden blaugrüne Teppiche, wie das am häufigsten vorkommende Sumpf-Torfmoos, manch andere sind gelblich bis purpurrot gefärbt.  

 

Sie wachsen am oberen Teil in die Höhe, der untere Teil stirbt dabei ab. 

 

Torfmoose sind auf den sauren Boden der Moore angewiesen. Sie sind dort die wichtigste torfbildende Pflanze. Durch deren starken Abbau gehören sie zu den gefährdeten Arten und stehen daher unter Naturschutz. 

Wir finden sie in feuchte Wäldern, Sumpfgebieten, Bruchwäldern, nassen Gräben, feuchten Heidegebieten. Bei uns im Marburger Land, bieten die Naturschutzgebiete im Burgwald ein breites Angebot an verschiedensten Torfmoosen. Im Teufelsgraben zwischen der Marbach und Wehrda ist es auch zu finden und an vereinzelten Stellen, sogar auf den Lahnbergen. Dort, wo es besonders feucht ist.

Gemeines Weißmoos

Leucobryum glaucum

 

Blassgrüne Polsterkissen, die teilweise bis zu 100 Jahre alt werden können. Der Name Weißmoos kommt daher, dass es in trockenem Zustand erbleicht, wie man auf dem Foto sehr gut sehen kann. Lange Zeit wurde es in Krippen- und

Weihnachtsdekorationen genutzt.

In den letzten 100 Jahren ist ihr Bestand durch zahlreiche Eingriffe in die Natur stark zurückgegangen, daher ist es geschützt und man darf es nicht sammeln. 



Der Aufbau und die Fortpflanzung der Laubmoose

Hier am Beispiel der Widertonmoose aufgeführt. Die Illustration stammt von dem deutschen Botaniker Otto Wilhelm Thomé (1840-1925).

Einfach erklärt, feine Miniwurzeln halten die Stämmchen am Boden, sie dienen nicht zur Nahrungsaufnahme, diese erfolgt allein durch Wasser aus der Luft. Die kapselartigen Organe an feinen Stielen, eiförmig oder büchsenartig, haben ein kleines Häubchen mit feinen Haaren auf. In diesen Kapseln sitzen ihre Sporen, mit denen sie sich vermehren.

Nur bei Trockenheit werden Sporen verteilt, für die Befruchtung sind aber unbedingt Wassertropfen notwendig. Die Keimung findet auch nur bei feuchtem Wetter statt.

 

Abbildung:  www.BioLib.de 

"Moose. Band I. (1904)" 

Director Prof. Dr. Thomé's Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz in Wort und Bild. Band V. Kryptogamen-Flora. Moose, Algen, Flechten und Pilze


Besonders magische Moos-Orte in unserer Region

Je älter der Wald und je unberührter die Natur, desto häufiger trifft man auf seltene und verschiedene Moosarten.

Tief im Wald zwischen der Marbach und Wehrda wachsen einige Moose bereits die Heidelbeersträucher hinauf.  

 

Egal wohin man blickt, es fällt einem immer wieder eine neue Art ins Auge. Sie besiedeln Felsen, Bäume und Totholz und sorgen in der Gesamtheit für einen magisch grünen, urwaldähnlichen Wald. In dem Tal liegenden Naturschutzgebiet "Teufelsgraben" trifft man auch auf die seltenen, geschützten Arten wie Torfmoos und Weißmoos.

 

An den Westhängen der Lahnberge - zwischen Spiegelslustturm und Panoramastraße - kann man neben dem sagenumwobenen Bärlapp, der wieder eine eigene Familie der Urpflanzen bildet, auf einen großen Artenreichtum verschiedenster Moose stoßen.

 

In den Naturschutzgebieten des Burgwaldes wird man von einer Vielfalt an Moosen regelrecht überhäuft.


Auf der GoogleMaps Karte findet ihr nochmal die magischen Moos-Orte, sowie zahlreiche andere besondere Orte in Marburg und Umgebung.

 

Im YouTube-Video seht ihr ein Beispiel, wie ein wunderschöner Moos-Ort durch die Abendsonne noch magischer wird.


Tipp

 

Von Moosen darf eine Handvoll gesammelt werden, außer von den geschützten Arten wie Weißmoos, Torfmoos oder generell nicht in Naturschutzgebieten, am Besten lässt man es jedoch an Ort und Stelle.

 

"In den kleinsten Dingen
zeigt die Natur 

die allergrößten Wunder."

 

Carl von Linné (1707-1778)



Weitere faszinierende Moos-Arten


Buchquellen:
"Farne, Moose, Flechten", Prof. Dr. Hans Martin Jahns

"Urpflanzen. Kraft, Magie und Weisheit alter Heilpflanzen.", Renato Strassmann


Kommentare: 9
  • #9

    Anja Michel (Sonntag, 04 August 2024 21:55)

    Findet der mittelaltermarkt am 7./8.9. in Marburg dieses Jahr statt?
    Ich habe im Internet widersprüchliche Informationen gefunden.
    Viele Grüße, Anja

  • #8

    Anise (Freitag, 23 Februar 2024 21:52)

    Wow, breathtaking vibes and Spots Full of Energy.
    Keep up with the good work..
    See you soon


  • #7

    Victoria lavinn (Mittwoch, 06 Dezember 2023 18:07)

    This page is just wonderful! So much worth,time and love put together. The products, Juwelier,the recipe’s, all together combined in such beautiful place. Marburg ❤️

  • #6

    Andreas Matusch, Marbach (Montag, 26 Dezember 2022 18:34)

    Glückwunsch zu dieser Sammlung dramatisch schöner Fotos unserer Dramatisch schönen Märchenlandschaft direkt vor der Haustüre in Preisverdächtiger Webseitengestaltung. Diese Natur- und Kulturschätze, die Fülle des Lebens darin gilt es zu erhalten und zu verteidigen. Dafür kämpfen viele andere seit Jahrzehnten, ich seit nunmehr 13 Jahren mit zunehmend professioneller Bauverhinderung. Ihre Bilder zeigen - es Lohnt sich, es war richtig so.

  • #5

    VIBE (Montag, 28 November 2022 11:39)

    die Bestellung hat super schnell und reibungslos geklappt !

  • #4

    Sina (Dienstag, 08 November 2022 14:38)

    Wow!!!
    Das ist so eine tolle Homepage und lässt Marburg in ganz neuen Farben erstrahlen!
    Ich freue mich schon auf den Schmuck! :-)
    Viele liebe Grüße

  • #3

    Inari (Donnerstag, 08 September 2022 15:42)

    danke für die kurzweil, dabei länger Geblieben als gedacht. !
    Jetzt auch wieder auf dem weg.

  • #2

    Heimdall (Mittwoch, 27 April 2022 21:28)

    danke für den magischen Austausch.

  • #1

    Hekate (Mittwoch, 27 April 2022 12:39)

    Auf der durchreise Rast bei dir gemacht.