Die Miniaturwelt betrifft nicht nur unsere Moose & Flechten, sondern alles, was wir im Gehen kaum wahrnehmen können, da es sich meist nur eine Handbreit über dem Boden befindet - Pflanzen-Winzlinge! Dabei gibt es unter ihnen eine Vielzahl an verschiedensten, faszinierenden, wunderschönen oder niedlichen Geschöpfen. Da die meisten nicht essbar sind, keine heilenden Inhaltsstoffe oder Zauber-Geschichten vorweisen können, bekommen sie hier einen extra Platz.
Unsere Kleinen ganz groß, kann man sagen, denn beachtlich ist ihre Formen- und Farbenvielfalt, ihr Fortpflanzungsmechanismus oder ihre Anspruchslosigkeit. Nebenbei eignen sie sich teilweise hervorragend, um sie in Schmuckstücken ganz groß auftreten zu lassen.
Dann wären hier auch noch die eindrucksvollen Gewächse zu berücksichtigen, die zwar nicht besonders klein sind, aber deren Blüten so winzig sind, dass man sie ohne näher hinzuschauen, fast nicht
wahrnehmen kann. Unsere Pflanzen mit Mini-Blüten.
Ähnlich wie bei manchen Baumblüten.
Draba verna
Mittlerweile geht's uns wie dem Frühlings-Hungerblümchen und wir haben alle „Hunger“ nach Frühling, sehnsüchtig wartet es auf die warmen Frühlingssonnenstrahlen, um dann seine winzigen Blüten der Sonne entgegen zu strecken. Der Name bezieht sich aber eigentlich auf die nährstoffarmen Böden, auf denen es wächst. Oft wächst es in Stadtgebieten an Mauern oder in Bürgersteigritzen, aber auch auf Ackerland. Wie klein es ist, seht ihr am Größenvergleich mit meinem Finger. Es ist also notwendig, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und ganz genau hinzuschauen.
Man könnte es dann eventuell mit dem Behaarten Schaumkraut verwechseln, dieses hat aber rundliche Blätter.
Familie: Kreuzblumengewächse (Brassiaceae)
Blütezeit: März-Mai
Größe: 3-15cm, Blüte: 2-5mm
Vorkommen: Äcker, Dächer, Mauern, Magerrasen; Pionierpflanze
Beispiele aus dem Marburger Umland: fast überall an Wegesrändern, Mauern, Bürgersteigen
Adoxa moschatellina
Zwischen einem Meer aus Busch-Windröschen geht das kleine Wesen fast unter. Ein kleiner Blütenstiel mit einem kugeligen Blütenkopf schiebt sich teleskopartig aus seinem zarten Blattwerk hervor.
Beim Verwelken verströmen die Blätter einen moschusähnlichen Duft.
Daher legte man es in früheren Zeiten zwischen die Wäsche in den Kleiderschrank. Moschus soll aphrodisierend wirken und ist seit langer Zeit in der Parfümindustrie populär. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts stammte es leider noch aus der Drüse des Moschustieres. Mittlerweile wird dieser Stoff größtenteils aus Umwelt- und Artenschutzgründen synthetisch hergestellt.
Auch andere Pflanzen und Tiere tragen einen moschusähnlichen bzw. "Falschen Moschus" an sich, wie z.B. die Moschus-Malve, die Gauklerblume und die Moschusochsen.
Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)
Blütezeit: März - Mai
Größe: 5-15cm
Vorkommen: Fruchtbare Hainwälder, Auenwälder, auf schattigem, nährstoffreichem Boden
Beispiele aus dem Marburger Umland: Im "Zauberwald" neben der Roten Scheid bei Michelbach & am Eisenberg bei Michelbach
Cardamine hirsuta
Auf den ersten Blick erscheint dieses zarte Pflänzchen vielleicht unscheinbar, doch das kleine Kerlchen hat einen unglaublichen Ausbreitungsdrang. Die kleinen Fruchtschoten platzen bei Reifung oder Berührung auf und können bis zu einem Meter weit geschleudert werden. Winzig kleine, weiße Blüten recken sich aus der Mitte einer feinblättrigen Rosette empor.
Familie: Kreuzblumengewächse (Brassiaceae)
Blütezeit: März - Juni
Größe: 7-30cm
Vorkommen: Äcker, Gärten, Parks, Wildkrautbestände
Beispiele aus dem Marburger Umland: Am Schlossberg von Biedenkopf
Erodium cicutarium
Nicht nur die winzigen pinken Blüten des gewöhnlichen Reiherschnabels haben meine Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt, sondern besonders sein Fruchtstand, der am Ende aussieht wie ein Reiherschnabel,
daher auch der Name. Im unteren Abschnitt rollen sie sich korkenzieherartig zusammen, um bei Trockenheit ihre Samen herauszuschleudern.
Bereits im April kann man mit den ersten Blüten rechnen, die - nur einen Tag lang blühen - und sich freudig der Frühlingssonne entgegenstrecken. Die filigranen, tief geteilten, einfach gefiederten Blätter sind ein weiteres Erkennungsmerkmal, solange die Schnäbel noch nicht sichtbar sind.
Wir finden ihn hauptsächlich an mageren Standorten, am Wegesrand, auf Ödland, Äckern und auf Brachflächen, dort ist er ein Erstbesiedler.
Achtet mal darauf, er ist wirklich ein faszinierendes, kleines Pflänzchen.
Familie: Storchschnabelgewächse (Geraniaceae)
Blütezeit: April-Oktober
Größe: 10-60cm, Blüte: 1-2cm
Vorkommen: magere Böschungen, am Wegesrand, auf Ödland, Äckern und auf Brachflächen
Beispiele aus dem Marburger Umland: Trockene Hänge am Kombacher Hirschstein; trockene Wiesen im Martinsbachtal bei Biedenkopf; an verschiedenen Acker- und Wegesrändern rund um Michelbach
Wie wäre es mit märchenhaftem
Schmuck mit dem Reiherschnabel
aus der Serie
"BOTANIC FAIRY TALES"?
Rumex acetosella
Bei ihm und seinem großen Verwandten- dem Wiesen-Sauerampfer muss ich mich regelrecht entschuldigen. Denn ihn habe ich die letzten Jahre teilweise absichtlich ignoriert, da mich der rötliche Schimmer störte, der sich zwischen die saftig grünen Wiesen mischte. Das hat jetzt aber sein Ende gefunden, als ich seine minimalistischen, wunderschönen Miniblüten entdeckt habe. Diese sind einfach einzigartig.
Männliche und weibliche Blüten sind hier jeweils auf getrennten Pflanzen, die Männlichen - kaum 1/2cm groß - sind gelb bis rötliche Sterne, die schirmchenartig an den Trieben hängen. Die Weiblichen bestehen aus roten oder gelben büscheligen Fäden, ähnlich dem großen Sauerampfer. Aus den weiblichen Blüten entwickeln sich nüsschenartige Früchte. Er hat speerähnliche Blätter, die oft rot überlaufen sind. Als Pionierpflanze besiedelt er gerne als einer der ersten brachliegende Flächen und kann im besten Fall große rote Blütenmeere hervorbringen.
Familie: Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Blütezeit: Mai-Juli
Größe: 10-30cm, Blüte: ca. 2mm
Vorkommen: magere Rasen, auf Weiden, auf Ödland, Äckern; Magerkeits- und Säureanzeiger
Valerianella locusta
Im Märchen Rapunzel begehrte eine schwangere Frau - die Mutter von „Rapunzel“ die Rapunzeln im Nachbargarten: „wenn ich keine Rapunzeln aus dem Garten hinter unserem Haus zu essen kriege, so sterbe ich.“ Daraufhin stahl ihr Mann den Rapunzel-Salat und sie musste ihr Kind an die böse Hexe abgeben.
Habt ihr schon mal die Blüten des Feldsalats gesehen, der wild am Wegesrand wächst und von April bis Mai blüht? Sind sie nicht passenderweise einfach märchenhaft? Diese winzigen blasslila oder weißen Blüten, die sich in kleinen Gruppen gegenüberstehen verzaubern also nicht nur mit ihrer Optik.
Einige Quellen sprechen zwar auch von der Rapunzel-Glockenblume, diese ist aber weder so nahrhaft wie der Feldsalat noch zu diesem Zeitpunkt selten gewesen.
Feldsalat wächst seit der Steinzeit wild auf Äckern, Weg- und Straßenrändern, in Kultur seit dem 18. Jahrhundert. Von allen Blattsalaten hat er den höchsten Vitamin C-Gehalt und ist dazu mit seinem nussigen Geschmack noch sehr lecker.
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Blütezeit: April-Mai
Größe: 5-15cm, Blüte: 1-2mm
Vorkommen: magere Böschungen, am Wegesrand, auf Ödland, Äckern und auf Brachflächen
Beispiele aus dem Marburger Umland: Trockene Hänge am Kombacher Hirschstein; trockene Wiesen im Martinsbachtal bei Biedenkopf; an verschiedenen Acker- und Wegesrändern
Wie wäre es mit zauberhaftem
Schmuck mit Rapunzeln
aus der Serie
"BOTANIC FAIRY TALES"?
Viola arvensis
Es scheint, als würden uns Hunderte kleiner Gesichter entgegen lächeln.
Die kleinen Verwandten des wilden Stiefmütterchens recken ihre knapp daumengroßen Köpfe Richtung Sonne. An sonnigen, trockenen Hängen kommen sie besonders gerne vor. Ihre Samen können bis zu 20 Jahre im Boden überdauern.
Das Acker-Stiefmütterchen ist bereits seit 2000 Jahren dank seiner wertvollen Inhaltsstoffe, wie z.B. Gerbstoffe & Salicylsäure Verbindungen als beliebtes Volksheilmittel bei Kinderkrankheiten, schon im Mittelalter wurde es gerne bei Milchschorf eingesetzt. Als Gesichtswasser, Salbe und Tee ist es eine Bereicherung für die Hausapotheke.
Familie: Veilchengewächse (Violaceae)
Blütezeit: April-August/September (Oktober)
Größe: 20-30cm, Blüte: 1-2cm - daumengroß
Vorkommen: Auf trockenen Wiesen, Äckern und in Gärten
Beispiele aus dem Marburger Umland: Trockene Hänge am Kombacher Hirschstein; trockene Wiesen im Martinsbachtal bei Biedenkopf; an vielen Wiesen- und Wegrändern in der Umgebung; an sehr trockenen Hängen, kann sich die Blütezeit auch mal verkürzen
Bald mehr über:
Rote Schuppenmiere
Acker-Schmalwand
Milzkraut
Vergissmeinnicht-Arten (Acker/Hügel/Sand)
Vogelmiere
Ehrenpreis-Arten
In dieser Kategorie sind die Pflanzen nicht gerade klein, jedoch ihre Blüten unglaublich winzig und leicht zu übersehen. Doch auch hier lohnt sich ein Blick umso genauer. Von Vorteil ist natürlich ein geeignetes Objektiv oder eine Lupe.
Mercurialis perennis
Als eines der ersten grünen bzw. blühenden Wunder am Waldboden nach der kargen Winterzeit, zeigen sich die zwar eher schlichten, doch auch irgendwie zauberhaften Blätter und filigranen Blütentriebe des Wald-Bingelkrauts. Männliche und weibliche Blüten befinden sich jeweils auf getrennten Pflanzen. Die männlichen sitzen in langen Ähren und sind mit vielen Staubblättern besetzt, die aus dreigeteilten sternförmigen Blütenhüllblättern besteht. Die weiblichen stehen alleine oder zu zweit auf dicken Fruchtknoten. Ab Ende März bis in den Mai überzieht es viele Böden unserer Frühlingswälder.
Es ist leicht giftig und eine alte Heilpflanze.
Die Inhaltsstoffe Saponin und Min sorgen beim Zerreiben für einen unangenehmen Geruch, der enthaltene blaue Farbstoff Cyanohermidin tritt beim Verwelken oder Trocknen in Erscheinung und im Mittelalter dachten die Alchemisten, man könne damit Quecksilber in Gold verwandeln.
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Blütezeit: April - Mai
Größe: 15-30 cm
Blütengröße: 1-3mm
Vorkommen: schattige Wälder, in Lehm- und Kalkgebieten häufig
Beispiele aus dem Marburger Umland: "Zauberwald" neben der Roten Scheid bei Michelbach; Eisenberg bei Michelbach; rund um das Biedenkopfer Schloss
Sanguisorba minor
Ein ganz besonderer Augenschmaus sind die Blütenköpfe des Kleinen Wiesenknopfs. Wie bunte Sterne funkeln sie aus den saftig grünen Wiesen hervor.
Seine männlichen Blüten lässt er hier in hellgelb herabhängen, während die winzigen, weiblichen Blüten oben in pink zu sehen sind. Sie werden vom Wind bestäubt, aber dennoch auch von Bienen
besucht. Er ist auf mageren Wiesen und Wegrändern anzutreffen und eine Pionierpflanze. Wir kennen ihn auch unter dem Namen „Pimpernell“ als eines der Kräuter für die
Grüne Sauce.
Seine Blattrosette mit den filigran gezähnten, gefiederten Blättern zeigt sich schon ganz früh im Jahr und ist eine Nahrungspflanze für die Raupen des Würfelfalters, verschiedene Spanner und Dickkopffalter
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Blütezeit: Mai - August
Größe: 15-40 cm
Blütengröße: 1-3mm
Vorkommen: Magerwiesen, Wegränder, Schafweiden
Beispiele aus dem Marburger Umland: Kombacher Hirschstein, im NSG Lahnknie
Immer wieder schön zu sehen, wie einige der Winzlinge oft gemeinsam wachsen bzw. nebenher gedeihen.