Die faszinierende "Unterwelt" unserer Pilze - der eigentliche Pilz und das sogenannte Mycel - ist ein einzigartiges Geflecht, was im Verborgenen lebt. Dies allein haucht ihm einen mystischen Zauber ein. Das was wir an der Oberfläche sehen, ist lediglich der Fruchtkörper, der beim unterirdischen Konkurrenzkampf gewonnen hat. Je nach Wetterlage erscheinen sie zwischen Juli und Dezember. Am Häufigsten jedoch im Spätsommer und Herbst. Es muss dazu einige Tage feucht gewesen sein. Die Fruchtkörper können sich dann teilweise wochenlang halten. Unter der Erde ist es möglich, dass der gesamte Pilz Jahrhunderte überdauert.
Wenn es am Johannistag regnet, dann regnet es Pilze.
Alte Bauernregel
Bereits seit der Antike werden Pilze sowohl als Speise- und als Giftpilze erwähnt. Meistens waren es jedoch umstrittene und gefürchtete Gewächse. Sie waren über Nacht plötzlich da, haben keine sichtbaren „Früchte“ oder Samen und die Wissenschaftler trauten sich nicht so recht an ihre Erforschung. Sie galten als "Teufelszeug" und als Werk dunkler Mächte.
Erst 1710 wurde durch den italienischen Gelehrten Peter Anton Micheli die Sporenbildung, also das Rätsel der Fortpflanzung der Pilze, entdeckt.
Das erste richtige, schriftliche Werk über die Wissenschaft der Pilze - die MYKOLOGIE hat Elias Magnus Fries 1821 mit „Systema Mycologicum“ geschaffen.
Pilze haben in unserem Naturkreislauf eine enorm wichtige Rolle zu erfüllen, nämlich die der Abfallbeseitigung. Sie zersetzen tote Pflanzenreste und machen sie dadurch wieder anderen Pflanzen zugänglich. Da sie ohne fremde Hilfe keine organischen Substanzen herstellen können, gehen Sie eine Symbiose mit Wurzeln anderer Pflanzen - hauptsächlich den Bäumen ein. Im Austausch von Wasser und Nährsalzen erhalten sie Nährstoffe. Diese Symbiose ist für die meisten Arten lebensnotwendig. Außer mit den vielen Baumarten, passiert dies beispielsweise auch mit den Heidelbeeren und unseren heimischen Orchideen.
Die Fruchtkörper verteilen ihre Sporen durch den Wind. Ein Steinpilz verteilt auf diese Weise in 2 Wochen ca. 10 Milliarden Sporen.
Einige Pilz-Arten bilden sogenannte „Hexenringe“ oder auch "Feenringe" aus. Ihr Wuchs erfolgt also in Reihen und Bögen, die von Jahr zu Jahr größer werden, weil sich die Mycel in Kreisen immer weiter nach außen entwickelt. Die Ringen können von 20cm bis 600m gehen.
Der Name lässt sich darauf zurückführen, dass sich in solch magisch entstandenen Kreisen bestimmt die Hexen versammelt haben. Sie werden allerdings nur von bestimmten Pilzen gebildet, Stein- oder Fliegenpilz gehören nicht dazu.
Hier seht ihr hübsche Exemplare des Buchen-Schleimrüblings, auch wenn der Name vielleicht nicht allzu einladend klingt. Der botanische Name jedoch -„Oudemansiella mucida“ - hat wie so oft eine elegantere Note. Manche Pilze lassen sich recht leicht bestimmen. Auch wenn man sie nicht sammeln und essen möchte, ist es immer wieder spannend, sie zu bestimmen. Auch wenn es mich manchmal fuchst, wenn ich einfach nicht herausfinde, um welchen Pilz es sich handelt. Der Buchen-Schleimrübling ist ein faszinierender Ästhet. Anfangs trägt er seinen Hut halbkugelig, später gewölbt, bei Feuchtigkeit ist er sehr schleimig, was ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat. Besonders hübsch ist die Perspektive von unten, wo die zarten Lamellen gut zur Geltung kommen. Man findet ihn von September bis November an meist abgestorbene Ästen der Rotbuche, öfter in weiter oben gelegenen Bereichen. Es lohnt sich also auch für Pilze den Blick immer mal nach oben zu richten. Er ist nicht essbar, spielt aber durch seine Holz zersetzenden Eigenschaften eine wichtige Rolle im Kreislauf der Natur
Der wohl bekannteste nicht essbare Pilz ist der Fliegenpilz. In seiner auffälligen Art mit der roten Kappe und den weißen Stückchen ist er einzigartig. Er kommt meist gruppenweise in Nadelwäldern, vorzugsweise Fichtenwäldern vor. Der hohe Anteil an Muscimol würde bei Verzehr Halluzinationen und Bewusstseinsstörungen auslösen und kann in einigen Fällen zum Tod führen. Unsere Vorfahren ließen sich allerdings, trotz bereits gesammelter Erfahrungen, nicht belehren und nutzten den Rauschzustand. Somit war er auch oft Bestandteil von Ritualen.
Dennoch ist er seit ewigen Zeiten ein beliebtes Element in Illustrationen von Kinderbüchern, wo er oft mit Feen, Elfen & Wichteln in Verbindung gebracht wurde. Als Glückssymbol kennen wir ihn alle. In der nordischen Mythologie galt er als Götterspeise und ist den Sturm- und Gewittergottheiten geweiht.
Pilz des Jahres 2022
Die Krause Glucke oder Fette Henne ist ein parasitärer Pilz. Zu der eindrucksvollen Optik (einer Mischung aus Blumenkohl und Schwamm) und ihrer Essbarkeit, kommt wie bei vielen
Pilzen ein witziger und Interessanter Name.
Was dieser Pilz nun mit einer Henne zu tun hat?
Sie ähnelt womöglich weit entfernt einer brütenden Henne.
Die „Fette Henne“ begegnet uns in der Pflanzenwelt auch als Gattung der Dickblattgewächse mit dem eigentlichen Namen „Sedum“. Ein weiterer bekannter Trivialname ist der Mauerpfeffer.
Die Krause Glucke riecht würzig und soll nussartig schmecken, sie müssen jedoch noch jung und frisch sein. Ältere Exemplare sind bitter und rufen Verdauungsstörungen hervor. Ihr findet sie vom
Sommer bis in den Spätherbst hauptsächlich am Fuße von Kiefern. Sie gilt sowohl als Baumschädling, als auch als beliebter Speisepilz.
❕Vor dem Verzehr bitte den Pilz unbedingt sicher identifiziert haben und sich über spezielle Zubereitungshinweise informieren❕
Auch als Heilmittel hat sie sich bereits einen Namen gemacht. Ein hoher Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen und Eigenschaften wie blutdrucksenkend, entzündungshemmend und immunstärkend werden
ihr nachgesagt.
Dieses mystische Wesen, die „Gelbe Lohblüte“ oder auch „Hexenbutter“ genannt, haben viele von euch, so wie ich bisher bestimmt als Pilz eingeordnet.
Verwirrend kommt hinzu, dass es auch noch zu den sogenannten „Schleimpilzen“ zählt.
Diese bilden jedoch eine ganz eigene Klasse, somit sind sie weder Pilz noch Tier, sondern einzellige Lebewesen in Form einer Plasmamasse und existieren seit vielen Millionen Jahren.
Ihrer seltsamen Lebensweise und ihrem doch recht auffälliges Aussehen zu verdanken, gibt es zahlreiche Mythen und Geschichten über die Gelbe Lohblüte.
So wurde das unheimliche im Wald lebende, schleimige Etwas natürlich gerne mit Hexen assoziiert.
Auch Spekulationen über einen möglicherweise außerirdischen Eindringling musste dieser Schleimpilz standhalten, denn in Texas galt 1973 ein erhöhtes Aufkommen als Alien-Invasion und beunruhigte die Bewohner.
Sie verhalten sich anfangs wie Tiere, wandern umher, nehmen Nährstoffe zu sich und bilden später Fruchtkörper wie die Pilze.
Sie leben auf Holz, Rinde, Moos oder dem Waldboden, ernähren sich von Bakterien und nehmen verwertbare Stoffe aus dem Boden auf. Sie verursachen anders als manche Pilze keinerlei Schaden an Bäumen oder anderen Lebewesen.
Bei uns ist es nicht üblich, in Mittelamerika werden sie allerdings unter der Bezeichnung „Mondkacke“ verzehrt.
Englische Übersetzungen, wie Hundekotze oder Schleimiges Rührei sorgen für weiteres Schmunzeln.
Da sie oft auch auf Eichenrinde zu finden war, die als Gerberlohe verwendet wurde, brachte ihr den Namen - „Gelbe Lohblüte“ oder auch „Gerberblüte“ ein.
Pilze bestehen zu 90% Wasser, der Rest aus Eiweiß, Kohlenhydraten, ein bisschen Fett, und den Vitaminen A, B und D, aber auch Schwermetalle. Wer gerne Pilze isst und sie selber sammelt, sollte immer zu 100% sicher die Sorte bestimmen können und sie zusätzlich gut durcherhitzen. Beim Ernten soll man darauf achten, sie richtig abzuschneiden und sie nur in einem luftdurchlässigen Korb zu transportieren.
Verzehrempfehlung: Erwachsene max. 200-250g pro Woche
Buchquelle:
Der große Kosmos Pilz-Führer, Hans E. Laux, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2022
GU Naturführer – Pilze, Gräfe und Unzer GmbH München, 1985
Natur - Reich der tausend Wunder, K. E. Graebner, Bertelsmann Lexikon-Verlag, 1977