"Schatz des Waldes"
Vaccinium myrtillus
Um die kleinen, köstlichen schwarz-blauen Beeren zu entdecken, muss man sich erstmal mit ihnen auf Augenhöhe begeben. Denn sie wachsen an kniehohen Sträuchern, die Beeren gut unter den Blättern versteckt. Bereits im Frühjahr sind sie ein schöner Anblick mit den pink-weißen kugeligen Blüten, die gerne von Hummeln besucht werden.
Da fällt es nicht schwer, sich die nach oben abgeschirmte geheimnisvolle Welt,
die unter den kleinen Büschen verborgen liegt, vorzustellen.
Im Herbst verfärben sich dann die kleinen Blätter und fallen ab, zum Vorschein kommen robuste kleine Zweige, von denen die älteren Exemplare mit einem Moosröckchen bekleidet sind.
Neben ihrem hervorragenden Geschmack sind die Beeren und Blätter der wilden Heidelbeeren unglaublich gesund und heilkräftig. Noch um einiges mehr als ihre Zuchtform.
Die Heidelbeere gehört zur Familie der Heidekrautgewächse.
Als immergrüner Strauch wird sie bis zu 60 cm hoch und bis zu 30 Jahre alt.
Die Blätter sind eiförmig, glatt oder gesägt und sitzen an kleinen Stielen. Im Herbst verfärben sie sich und fallen dann ab.
Unter den Blättern versteckt hängen die Glöckchen ähnlichen rosa-weißen Blüten, die von Mai bis Juni unter den Blättern hervorblitzen. Man bemerkt sie auch durch das auffällige Hummel-Brummen, wenn man an Heidelbeer-Sträuchern vorbeigeht. Die blauschwarzen, etwa erbsengroße Beeren sind im Sommer ab Juli bis ca. Ende August reif.
Im Unterschied zur Kulturheidelbeere haben Waldheidelbeeren blaues Fruchtfleisch und verfärben Lippen und Mund beim Naschen, die Kulturheidelbeeren haben weißes Fruchtfleisch und lediglich die Schale enthält Farbstoffe. Die Beeren der Waldheidelbeeren sind viel kleiner und platzen leichter auf.
Die grünen Triebe, die im Winter nach dem Blattabwurf übrig bleiben, sind eine wichtige Nahrungsquelle für unser Wild. Und eine Schneedecke schützt das Bestehen der Sträucher vor dem Frost.
Heidelbeersträucher wachsen in Gruppen tief im Wald, jedoch in lichten Waldgebieten wie Kiefern- oder Gebirgs-Fichtenwäldern, in Heidelandschaften, aber auch in Mooren.
Sie kommen in Europa bis zu einer Höhe von 2.200m vor. Generell sind sie eher auf der nördlichen Halbkugel verbreitet.
Die Zuchtform - die Kulturheidelbeere, wurde Anfang des 20. Jh. aus Amerika eingeführt.
In Marburgs Wäldern sind an vielen Stellen Heidelbeeren zu finden. Als Tipp kann ich Euch den Wald zwischen der Marbach und Wehrda geben, den ich "Behringwald" nenne.
Den exakten Fundort eines regelrechten Heidelbeermeeres, kann ich Euch nicht verraten, denn er ist ja gerade so besonders, weil hier unberührte Natur und die Stille des Waldes aufeinander treffen.
Am spannendsten ist es ohnehin, selbst seinen Lieblingsort zu finden. Da man Heidelbeeren das ganze Jahr über gut erkennen kann, ist es empfehlenswert bei den Streifzügen im Laufe des Jahres, sich danach umzuschauen.
Wer direkt aus dem eigenen Garten ernten möchte, kann sie auch dort problemlos ansiedeln.
Wenn man ein paar Voraussetzungen beachtet, gedeiht sie recht anspruchslos, breitet sich jedoch gerne auch aus. Daher sollte ein Pflanzabstand von 2m eingehalten werden.
Sie wächst gerne auf konstant feuchtem, humusreichem Boden. Kalk verträgt sie jedoch nicht so gut. Die Feuchtigkeit erreicht man am besten, wenn sie in Teichnähe wachsen darf.
Optimales Pflanzalter sind dreijährige Sträucher, wo direkt im folgenden Jahr der erste Rückschnitt erfolgen sollte.
Die Herkunft der Bezeichnung "Heidelbeere" ist nicht eindeutig geklärt.
Es gibt zwei Hauptansätze: Zum einen könnte es darauf zurückzuführen sein, dass sie vorzugsweise in Heidegebieten wächst. Zum anderen gibt es eine Theorie, dass sie auf die Beliebtheit bei den
"Heiden" hinweisen könnte.
Außer dem geläufigsten Namen "Heidelbeere" hat unser Kraftpaket noch viele weitere Namen wie z.b. Bickbeere, Blaubeere, Griffelbeere, Krähenauge, Schnuderbeeri, Schwarzbeere, Taubeere, etc.
Die Heidelbeeren werden ca. Anfang Juli reif. Die Erntezeit erstreckt sich bis Ende August. Ganz genau kann man das nicht sagen, es ist standort- und wetterabhängig. Man muss seinen bevorzugten Sammelort immer wieder besuchen und die Beeren im Blick behalten.
Die Blätter würde man im zeitigen Frühjahr pflücken, wo sie noch ganz frisch sind. Von der volksmedizinischen Anwendung wird jedoch abgeraten, da es hier leicht zu Überdosierungen kommen kann.
Der ideale Sammelzeitpunkt ist wie bei den meisten Pflanzen und Beeren ein später Vormittag/Mittag an einem trockenen und sonnigen Tag.
Bei Beeren die im Wald wachsen, denkt man meist gleichzeitig an den Fuchsbandwurm. Durch Abspülen und anschließendem Erhitzen (mind. 70°C), ist man aber auf der sicheren Seite. Schlichtes Einfrieren würde nicht ausreichen.
Beachtet ansonsten meine zusammengestellten goldenen Sammelregeln.
Ausrüstung: Messbecher, alte Kleidung (Saft färbt stark),
Raffel/Heidelbeerkamm (allerdings werden hierbei auch unreife geerntet und viele gehen dabei kaputt)
Die Beeren müssen gut abgebraust werden und vorsichtig von Stielresten befreit werden. Nun werden sie je nach Rezept gekocht, püriert, gebacken etc.
Trocknung: Die Heidelbeeren werden zur medizinischen Anwendung am besten in einem Dörrautomat getrocknet. (Zwischen 40-50°C und einmaligen 70°C). Im Backofen ist dies ein sehr langwieriges Unterfangen und an der Luft besteht Schimmelgefahr. Erst vollkommen getrocknet füllt man sie in beschriftete Gläser.
Die Blätter können an der Luft schattig getrocknet werden.
Tipp zur Fleckenentfernung: Rechtzeitiges Behandeln mit Hausmitteln kann funktionieren.
Dazu den Fleck mit einer aufgeschnittenen Zitrone vorbehandeln, anschließend normal waschen.
Ob in der Küche, medizinisch oder zur reinen Dekoration. Tobt Euch aus!
Hier nur einige der vielen Beispiele:
Kulinarisch: Muffins, Kuchen, Marmelade, Sirup, Saft, Desserts
Heilend: Getrocknete Beeren (Tee), Heidelbeersaft/-wein bei Durchfall, Gurgelmittel bei Entzündungen
Dekorativ: Kranz aus den früchtetragenden Trieben, Färbemittel seit der Bronze-Zeit, grüne Zweige im Winter oder Frühling als Beigabe zu Sträußen
Wir wollen verzehren,
Frau Sonne zu Ehren,
Die Heidelbeeren,
Die lieben, blauen Heidelbeeren.
- August Heinrich Hoffmann
von Fallersleben -
Zutaten:
Zubereitung:
4. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche etwa 1cm dick ausrollen.
5. Eine Tarteform ( Ø 28cm) damit auslegen und den Rand gut hochziehen.
6. Den Schmand mit den restlichen 50g Zucker, dem 2. Ei und
Vanillezucker verrühren. Heidelbeeren hinzufügen und vorsichtig
unterheben. Masse auf den Teigboden gießen.
7. Im vorgeheizten Ofen bei 200 °C (Umluft 180°C) etwa 30-40 Minuten
backen.
Nach dem Backen muss er nicht unbedingt aus der Form gelöst werden. Wenn einem das zu heikel ist, sieht er auch sehr schön in der Tarteform aus. Und er lässt sich auch von dort stückchenweise gut herausnehmen.
Zeitaufwand: ca. 1 Stunde - Vorbereitung: 25 min - Backen: 40 min
Hinweis: Der Besuch dieser Seite ersetzt nicht die Beratung eines Arztes oder Apothekers.
Buchquellen:
"Das große Buch
der Heilpflanzen", Pahlow, München, 1993
"Wickel, Salben & Tinkturen", Arnold Achmüller, Bozen, 2016